Italiens Banken werden durch Übernahmen immer stärker. Unter den europäischen Branchenriesen spielt die Deutsche Bank bestenfalls im Mittelfeld. Günstig bewertet ist sie noch dazu – macht sie das zum potenziellen Übernahmeziel?
Die italienische Großbank Unicredit ist bei der geplanten Commerzbank-Übernahme bereits weit vorangeschritten und kontrolliert direkt 34 und indirekt fast 50 Prozent der Anteile. Auf dem italienischen Heimatmarkt formiert sich gerade durch die Übernahme der Traditionsbank Monte dei Paschi durch Branchenprimus Intesa die zweitgrößte Bank des Euroraums.
Italiens Geldhäuser werden immer stärker, auch in Frankreich (BNP Paribas) und Spanien (Santander) haben sich Bankenkolosse formiert, gegen die die deutschen Geldhäuser gemessen an Bilanzsumme und Marktwert bestenfalls im Mittelfeld spielen.
Die Deutsche Bank will sich selbst mit dieser Rolle nicht zufriedengeben. Und strebt an die Spitze der europäischen Bankenindustrie, wie Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts auf der Hauptversammlung des Instituts Ende Mai vollmundig angekündigt hatte. Doch es stellt sich durchaus die Frage, ob das größte deutsche Geldhaus ebenso wie die Commerzbank nicht auch selbst Ziel einer Übernahme werden könnte. Allein schon die vergleichsweise günstige Bewertung der Deutschen Bank wirkt einladend. Der deutsche Bankenmarkt wäre zudem ein äußerst attraktiver Zielmarkt.
Könnte die Deutsche Bank also Ziel eines Übernahmeversuchs werden? Theoretisch ja, in der praktischen Umsetzung aber eher schwierig. „Die Deutsche Bank ist trotz aller Probleme noch immer das größte deutsche Geldhaus, international verflochten und in mehreren Geschäftsfeldern aktiv: Investmentbanking, Firmenkundengeschäft, Privatkunden und Vermögensverwaltung. Genau diese Komplexität macht eine Übernahme teuer, regulatorisch heikel und operativ riskant“, heißt es in Finanzkreisen.
Neben dem hohen Kaufpreis müssten aufsichtsrechtliche Probleme überwunden werden, vom politischen Widerstand ganz zu schweigen. Allerdings hat es in der Vergangenheit mehrfach Spekulationen über mögliche Transaktionen gegeben. So wurden nach der Finanzkrise in den 2010er Jahren im Zusammenhang mit der europäischen Bankenkonsolidierung durchaus mögliche Kombinationen mit BNP Paribas, Santander und Unicredit am Markt durchgespielt. Am konkretesten waren im Jahr 2019 direkte Fusionsgespräche der Deutschen Bank mit der Commerzbank, die aber wieder abgeblasen wurden.
Fazit
Die Deutsche Bank ist kein einfacher Übernahmekandidat, sondern ein schwerer, regulierter und politisch aufgeladener Brocken. Wer sie übernehmen wollte, bräuchte nicht nur Geld, sondern auch Geduld, Zustimmung und einen langen Atem.