Die Talfahrt bei der Aktie des Projektentwicklers im Bereich erneuerbare Energien setzt sich empfindlich fort. Nachdem das Papier wegen einer umfangreichen Prognosekürzung bereits unter Druck stand, müssen die Hessen bei der Zielsetzung nun sogar noch stärker zurückrudern. 

Als Entwickler und Projektierer von Wind- und Solarparks, Batterie- und Wasserstoffprojekten ist ABO Energy eigentlich ein Profiteur einer neuen Energiewelt. Bei der Aktie ist davon aber nichts zu sehen: 2025 büßte das Papier rund zwei Drittel ihres Werts ein. Und auch der Start ins neue Jahr fällt schwach aus.

Rückblick: Im November passte der Konzern seine Jahresziele an: Die ursprüngliche Prognose, einen Überschuss zwischen 29 und 39 Millionen Euro zu erzielen und die Gesamtleistung aus 2024 (445,4 Millionen Euro) um fünf bis 30 Prozent zu steigern, war nicht zu halten. Als Gründe nannte ABO Energy vor allem die Verschiebung von Windprojekten sowie Überzeichnungen bei Wind-an-Land-Auktionen in Deutschland. Letztere führten zu niedrigeren Einspeisevergütungen, die wiederum in Neubewertungen und Sonderabschreibungen resultierten. 

Statt eines Gewinns und der Ausweitung der Gesamtleistung stellte das Management einen Fehlbetrag von 95 Millionen Euro in Aussicht und traute sich lediglich noch eine Gesamtleistung von rund 250 Millionen Euro zu. Die Aktie stürzte ab. Der Vorstand kündigte ein Effizienz- und Transformationsprogramm an. 

Prognose nochmal gekürzt

Doch auch diese empfindlich eingedampften Ziele hat ABO Energy wohl nicht erreicht. Denn am heutigen Donnerstag folgte eine weitere Korrektur der Prognose: Nach vorläufigen Zahlen sieht der Vorstand den Konzernverlust in 2025 bei rund 170 Millionen Euro, beinahe das Doppelte des zuletzt in Aussicht gestellten Verlustes. Dazu steht voraussichtlich eine Gesamtleistung von rund 230 Millionen Euro, nochmal weniger als zuletzt prognostiziert. 

Die erneute Anpassung begründeten die Wiesbadener mit Verschiebungen sowie Wertberichtigungen aufgrund von Marktveränderungen in Deutschland und international. Unter anderem verzögerten sich Rechteverkäufe von Wind- und Batterieprojekten in Deutschland, die für das Geschäftsjahr 2025 eingeplant waren. Auch die Abrechnung und Abnahme von Leistungen hätten sich verzögert. 

ABO Energy (WKN: 576002)

Erneuter Kurseinbruch

Der erneut gekürzte Ausblick sorgt bei Investoren für Unmut, die Papiere knicken ein und büßen heute rund ein Viertel ihres Werts ein. Auf Sicht eines Jahres summmi9ert sich der Kursverlust auf mehr als 80 Prozent. 

Projekte für Eigenbestand

Anders als beispielsweise das SDAX-Mitglied Energiekontor setzt ABO Energy bislang voll auf das Geschäft als Projektierer. Damit ist der Konzern Faktoren wie möglichen Verzögerungen stärker ausgesetzt, während Energiekontor auch ein Portfolio an eigenen Anlagen betreibt und als weiteres Standbein an der Stromerzeugung verdient. 

Im vergangenen September kündigte ABO Energy an, einen ähnlichen Weg zu erwägen und zu prüfen, selbst als Betreiber von Wind-, Solar- und Speicherparks aktiv zu werden. Ein entsprechender Schritt sei jedoch kapitalintensiv und mit verfügbaren Mitteln „voraussichtlich nicht umsetzbar“, hieß es in einer Mitteilung. Im November gab der Konzern bekannt, die Transformation in ein Betreibermodell mit einem Beratungsunternehmen voranzutreiben. 

Fazit

Während sich verzögerte Projekte bei den Zahlen für 2026 bemerkbar machen sollten, sorgt die zweite empfindliche Prognoseanpassung innerhalb weniger Monate für Verunsicherung und Enttäuschung. Das gestartete Effizienz- und Transformationsprogramm soll dazu beitragen, im Geschäftsjahr 2026 wieder ein positives Konzernergebnis zu erzielen. Ob dies in einem offenbar weiter schwierigen Umfeld gelingt, bleibt abzuwarten. Die Erweiterung der Tätigkeiten um den Betrieb eigener Anlagen treibt ABO Energy voran.  

Nachdem die Enttäuschungen der letzten Monate Vertrauen gekostet haben, warten Anleger klare Signale für Besserung ab.