Eine der derzeit heißesten US-Aktien ist eine, die Analysten jahrelang kalt gelassen hat. Sie bemängelten stets die hohen Investitionen von Amazon. Nun aber wendet sich das Blatt – Amazon greift Nvidia und Elon Musks Starlink an.
Heimlich, still und leise hat der Handelskonzern eine eigene Sparte für KI-Chips aufgebaut. Im jährlichen Aktionärsbrief beziffert Chef Andy Jassy erstmal das Potenzial dieses Geschäfts. In diesem Jahr soll es 20 Milliarden Dollar Umsatz bringen, doppelt so viel wie 2025. Würde Amazon seine Chips wie andere Hersteller verkaufen, läge der Jahresumsatz laut Jassy sogar bei 50 Milliarden. Und das wäre nur der Anfang.
Gleichwohl will Jassy in diesem Jahr knapp 200 Milliarden in die weitere Entwicklung investieren. Im Mittelpunkt steht dabei Trainium, ein KI-Beschleuniger für die Entwicklung und den Betrieb von KI-Modellen. Bislang ist das ein Markt, der von Nvidia beherrscht wird, wo auch Amazon Chips einkauft. Das Interesse an Trainium ist offenbar riesig, wobei AWS bis dato nicht die Chips selbst, sondern auf ihnen basierende Rechenleistung verkauft. Das aber könnte sich ändern. „Wir werden hier nicht auf Nummer Sicher gehen, wir investieren, um der Marktführer zu werden“, schreibt Jassy. Eine klare Kampfansage an den bisherigen Partner Nvidia.
Das hat Analysten aufgeschreckt. Bislang betrachten sie Amazon überwiegend als Einzelhändler mit angeschlossener Cloud-Sparte. Die Bewertung ist sogar konservativer als bei Walmart. Dabei ist die Cloud-Tochter Amazon Web Services hochprofitabler Weltmarktführer, spielte im vergangenen Jahr 129 Milliarden Dollar Umsatz und fast zwei Drittel des gesamten Konzerngewinns ein. Nun aber schießen die Kursziele nach oben. Das Analysehaus Citron Research etwa sieht 300 Dollar und nennt Amazons Chip-Sparte eine ernsthafte Bedrohung für Nvidias Dominanz. Nach der Veröffentlichung des Aktionärsbriefes sprang der Kurs schon mal um acht Prozent nach oben.
Die Zukunft liegt im All
Gleichzeitig sorgt der Konzern auch auf einem anderen Feld für Furore. Am Dienstag hat er die Übernahme des Satellitenbetreibers Globalstar für 11,6 Milliarden Dollar angekündigt. Das wäre die größte Akquisition in der Geschichte des Unternehmens. Die Bezos-Company will so Elon Musks Satellitendienst Starlink, der zu SpaceX gehört, Konkurrenz machen.
Zwar ist die Satellitenflotte von Globalstar winzig. 88 Stück hat sie im Orbit, Amazon selbst betreibt 210 – Starlink verfügt über rund 10.000. Entscheidend sind aber die Frequenzrechte von Globalstar. Sie ermöglichen Satellitenkommunikation direkt auf Endgeräten ohne zusätzliche Hardware. Diese Technologie nutzt bereits Apple: iPhones können via Satellit auch in Gegenden ohne Funknetz Notrufe absetzen. Die Kooperation wird nun mit Amazon fortgeführt. Apple als Referenzkunde ist ein kluger Schachzug, der weitere Hersteller anziehen dürfte.
Bis 2029 will Amazon weitere 3.200 Satelliten in den Weltraum schießen. Das Projekt namens Leo soll weltweit Sprach- und Datenverbindungen ermöglichen, ähnlich wie Starlink. Zusätzlich will Jeff Bezos über seine Raumfahrtfirma Blue Origin ein weiteres Satellitennetz speziell für Geschäftskunden aufbauen.
Fragt sich nur, ob sich Elon Musk die Butter so leicht vom Brot nehmen lässt. Starlink steuert geschätzte 50 bis 80 Prozent zum Umsatz von SpaceX bei. An der Wall Street setzt man aber offenbar darauf, dass zumindest ein Stück Butter den Besitzer wechseln wird.