Nach den starken Kursanstiegen hat Goldman Sachs analysiert, ob sich an der Börse eine Blase gebildet hat und ob es sich jetzt noch lohnt, Aktien zu kaufen
US-Small Caps sind im ersten Halbjahr 2026 um rund 20 Prozent gestiegen – so stark wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Das hat die Diskussion über eine mögliche Blase ausgelöst. Goldman Sachs Asset Management hält die Rally jedoch eher für eine Erholung als für eine spekulative Übertreibung. Der wichtigste Grund: In den vergangenen Jahren konzentrierte sich das Kapital stark auf die „Magnificent 7“ und große Technologiewerte. Small Caps blieben zurück. Nun verbessern sich die Gewinne und Gewinnerwartungen. Für die kommenden Quartale erwartet der Markt ein Wachstum der Gewinne pro Aktie von rund 26 Prozent bei einem Umsatzwachstum von etwa 10 Prozent. Einige Marktbereiche könnten diese Erwartungen sogar übertreffen.
Zudem verbreitert sich die Rally über den KI-Sektor hinaus. Zwar bleiben Halbleiter ein zentraler Bestandteil des KI-Trends, doch auch Automobil, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung sowie die gesamte Industrie zeigen eine zunehmende operative und fundamentale Dynamik. Weitere attraktive Chancen sieht Goldman Sachs in Biotechnologie, Gesundheitsdienstleistungen und Medizintechnik, Restaurants, Erlebnis- und Freizeitunternehmen sowie Teilen des Luxusgütersektors. Gemeinsam ist diesen Bereichen, dass ihre Fundamentaldaten solide sind und ein klarer Weg zu weiterem Gewinnwachstum besteht.
Auch die Marktstruktur spricht nach Ansicht der US-Investmentbank gegen eine Blase. Typische Merkmale wie eine extrem enge Marktführerschaft, euphorische Kapitalzuflüsse oder zahlreiche spekulative IPOs seien nicht zu erkennen. Gleichzeitig beginne sich der zunächst stark auf KI-Investitionen konzentrierte Aufschwung auf andere Branchen, etwa die Automobilindustrie, auszudehnen.
Ein weiterer Hinweis sei die weiterhin hohe Unsicherheit unter Anlegern. Viele scheuen noch immer Bereiche wie Software oder Biotechnologie. Dadurch entsteht eine größere Streuung zwischen Fondsmanagern und Chancen für fundamental orientierte Investoren. Ein erneuter Anstieg der Small Caps um 20 Prozent im zweiten Halbjahr wäre nach Ansicht von Goldman Sachs nach der bisherigen Rally zwar anspruchsvoll. Mit Blick auf Gewinnwachstum, Bewertungen, IPO-Aktivität, Kapitalflüsse und Anlegerstimmung sieht die Bank jedoch keine Blase, sondern eine breit angelegte Erholung mit wachsenden Chancen im gesamten Small-Cap-Universum.