Die gute Nachricht: Trotz eines seit Wochen laufenden Streiks hat der amerikanische Autobauer General Motors im dritten Quartal besser abgeschnitten als erwartet. Die schlechte Nachricht: Der Streik dauert an – und er geht richtig ins Geld. Im dritten Quartal hat er den Konzern aus Detroit 200 Millionen Dollar gekostet. Dieselbe Summe fällt nun für jede weitere Woche an, die der Arbeitskampf andauert. Das Management um GM-Chefin Mary Barra zog deshalb die Jahresprognose zurück, wie Finanzchef Paul Jacobson am Dienstag mitteilte. Erst im Juli war diese auf 9,3 bis 10,7 Milliarden Dollar Gewinn angehoben worden. Auch das Ziel, bis Mitte nächsten Jahren 400 000 Elektroautos zu bauen, sei nicht mehr erreichbar, 

Erwartungen übertroffen 

Der Umsatz zog zwischen Juli und September um gut fünf Prozentauf 44,1 Milliarden Dollar an. GM steigerte den Absatz in diesem Zeitraum weltweit um 1,6 Prozent auf 981 000 Fahrzeuge. Zu den bekanntesten Marken des Konzerns zählen Chevrolet, Buick, GMC und Cadillac. Gefallen ist dagegen das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern – um 17 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar. Damit übertraf der Autobauer die Analstenerwartungen, die von 3,3 Milliarden Ergebnis und 43,2 Milliarden Umsatz ausgegangen waren. Seit Mitte September bestreikt die mächtige Gewerkschaft United Auto Workers amerikanische Werke von General Motors, Ford und Stellantis, das in den USA Chrysler, Dodge, Jeep und Ram herstellt. Die Arbeitsniederlegungen betreffen vor allem die Verteilzentren von Ersatzteilen. Es ist der erste Streik in der Geschichte, der gleich alle drei großen US-Autobauer trifft. Und der erste, bei dem der Präsident sich aktiv einmischt: Joe Biden hatte sich Ende September plakativ unter die Streikenden eingereiht. 

36 Prozent mehr Lohn 

Die Gewerkschaft fordert für insgesamt knapp 150 000 Beschäftigte unter anderem fulminante Lohnerhöhungen: 36 Prozent über vier Jahre. Die ursprünglice Forderung hatte sogar bei 40 Prozent gelegen, weil in dieser Größenordnung die Entlohnung des Top-Managements der großen Autokonzerne gewachsen sei. Die Autobauer waren zu Lohnsteigerungen von bis zu 20 Prozent über vier Jahre bereit. GM-Chefin Barra schrieb in einem Brief an die Aktionäre, der Konzern habe das bisher höchste Angebt der Firmengeschichte vorgelegt. Allerdings war dieses den Streikenden offenbar immer noch zu wenig: Kurz nach Bekanntgabe der Quartalszahlen traten 5000 Arbeiter aus dem Werk im texanischen Arlington in Streik.  

Robotaxis gestoppt 

General Motors hat aber noch ein weiteres Problem. Die Tochterfirma Cruise, die Robotaxis entwickelt und betreibt, darf in San Francisco keine Taxifahrten ohne Fahrer mehr anbieten. Die kaliforische Verkehrsbehörde setzte die entsprechende Erlaubnis unbefristet aus. Vorausgegangen waren zwei Unfälle mit Fußgängern. Dabei war unter anderem eine Frau unter ein Vruise-Auto geschleudert und von ihm mehrere Meter mitgeschleift worden. Cruise will prüfen, wie die Software für derart seltene Ereignisse otimiert werden kann. San Francisco ist derzeit Testgebiet für fahrerlose Taxis – gegen den Willen der Stadtverwaltung und der Bevölkerung. Das Fahrverbot ist ein schwerer Rückschlag für Cruise. Jetzt ist nur mehr Konkurrent Waymo von Google in der Stadt unterwegs. GM hat mehrere Milliarden Dollar in die Entwicklung von Cruise gesteckt. Das Unternehmen plant schon Autos ohne Lenkrad und Pedale. Bis 2026 sollen die autonomen Fahzeuge gemeinsam mit Honda auf den japanischen Markt gebracht werden. 


General Motors (WKN: A1C9CM)

Fazit

Streiks enden, und das in aller Regel mit einem Kompromiss. Dann zeigt sich, wie sich dieser auf den Kurs von General Motors auswirkt.