„Wir haben versagt.“ IBM-Chef Arvind Krishna hat die schwächer als erwarteten vorläufigen Quartalszahlen des IT-Riesen ungewöhnlich klar kommentiert. Die Aktie crashte am Dienstag. Sie verlor ein Viertel an Wert und zog den gesamten Sektor samt SAP und Microsoft nach unten.
Mit einem Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar im zweiten Quartal - ein Plus von einem Prozent - verfehlte Big Blue die Analystenschätzung von 17,9 Milliarden deutlich. Auch der bereinigte Gewinn blieb mit 2,93 Dollar unter den Erwartungen von 3,01 Dollar. Krishna verwies vor allem auf kurzfristige Verschiebungen von Kundenausgaben. Viele hätte ihre Investitionen auf Server, Speicherchips und Speichersysteme verlagert, um sich gegen Knappheit und drohende Preiserhöhungen abzusichern. Das belaste vor allem das Infrastrukturgeschäft, das um sieben Prozent nachgab.
„Zwar hatten wir in unseren Erwartungen gewisse Auswirkungen durch die Lieferkette einkalkuliert, doch das Ausmaß dieser Neuausrichtung der Investitionsausgaben hatten wir nicht vorhergesehen“, schrieb CEO Krishna in einem Brief an die Aktionäre. Er benennt die eigenen Fehler darin in seltener Offenheit: „Diese Bedingungen erfordern von unseren Teams eine perfekte Umsetzung, und in diesem Quartal haben wir versagt. Wir haben uns nicht schnell genug angepasst und gehandelt, zahlreiche Großaufträge konnten nicht innerhalb der von uns erwarteten Zeitrahmen abgeschlossen werden, was den Großteil unseres Rückgangs ausmacht.“
Die Frage bei der Vorlage der endgültigen Zahlen wird nun sein, ob dies ein einmaliger Ausrutscher war. Der Konzern steckt in einer kritischen Phase. IBM versucht, sich stärker als wachstumsorientierter Softwareanbieter zu positionieren. Gleichzeitig steigen unter Investoren die Sorgen, dass klassische Software in Teilen von künstlicher Intelligenz ersetzt werden könnte. IBM hingegen argumentiert, dass gerade dadurch die Nachfrage nach seiner Infrastruktursoftware gestärkt werde. Kunden würden Werkzeuge benötigen, um mit führenden KI-Modellen zu arbeiten.
Der IBM-Schock hat auch SAP getroffen. Auch hier zweifeln Anleger, ob KI nicht auch etablierte Anbieter stärker unter Druck setzen wird als bislang angenommen. Damit könnte die Preissetzungsmacht des deutschen Schwergewichts in Gefahr geraten. Dem Kurs droht nun ein weiterer Rückschlag Richtung 120 Euro.