Zwei Tech-Giganten gründen ein neues Unternehmen, das auf den nächsten Boom bei der Künstlichen Intelligenz setzt
Sony und TSMC machen ernst – und greifen nach einem der spannendsten Chipmärkte der Zukunft. Die beiden Technologiekonzerne wollen laut einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei rund eine Billion Yen, umgerechnet etwa 6,3 Milliarden US-Dollar, in ein gemeinsames Unternehmen für die Entwicklung und Produktion der nächsten Generation von Bildsensoren stecken. Das wäre nicht nur ein gewaltiger Milliarden-Deal, sondern könnte Sony im Rennen um die „Augen“ von Smartphones, Autos und Robotern noch stärker in Stellung bringen.
Geplant ist dem Bericht zufolge ein Joint Venture, an dem Sony mit rund 60 Prozent und TSMC mit 40 Prozent beteiligt sein soll. Produziert werden soll im japanischen Kumamoto – genauer gesagt im Werk von Sony Semiconductor Solutions in Koshi. Die Massenproduktion könnte frühestens 2029 starten. Noch müssen die Details allerdings endgültig festgezurrt werden. Sony wollte den aktuellen Bericht nicht kommentieren, von TSMC lag zunächst keine Stellungnahme vor.
Dass aus der bereits bestehenden Partnerschaft zwischen den Japanern und den Taiwanesen mehr werden soll, ist allerdings keine Überraschung. Bereits im Mai hatten Sony Semiconductor Solutions und TSMC eine unverbindliche Grundsatzvereinbarung unterzeichnet. Darin war bereits ein gemeinsames Unternehmen vorgesehen, bei dem Sony die Mehrheit und Kontrolle übernehmen soll. Als Standort wurde ebenfalls Sonys neues Werk in Koshi in der Präfektur Kumamoto genannt. Der Deal bringt zwei Spezialisten zusammen, die kaum unterschiedlicher – und gerade deshalb so interessant – sein könnten: Sony beherrscht das Design von Bildsensoren, TSMC die industrielle Fertigung und moderne Prozesstechnologie. Genau diese Kombination soll die nächste Generation von Sensoren leistungsfähiger machen.
Besonders spannend wird das Ganze beim Blick auf den KI-Trend. Denn die Sensoren sollen längst nicht mehr nur bessere Smartphone-Fotos ermöglichen. Sony und TSMC haben ausdrücklich auch sogenannte Physical-AI-Anwendungen im Visier – also künstliche Intelligenz, die nicht nur in Rechenzentren arbeitet, sondern die reale Welt wahrnimmt und auf sie reagiert. Roboter und autonome Fahrzeuge brauchen dafür leistungsfähige Sensoren, die ihre Umgebung möglichst präzise erfassen. Genau hier könnte sich ein riesiger neuer Absatzmarkt entwickeln. Sony und TSMC wollen sich deshalb früh einen Platz in einem Markt sichern, in dem KI zunehmend sehen, verstehen und handeln muss.
Für Sony ist das strategisch besonders wichtig. Das japanische Unternehmen ist bereits der weltweit führende Hersteller von Bildsensoren. Nach einer Analyse von Global Market Insights kam Sony Semiconductor Solutions 2025 auf einen Marktanteil von 43,4 Prozent. Samsung folgte mit 20,2 Prozent, OmniVision mit 10,8 Prozent. Insgesamt vereinten die fünf größten Anbieter mehr als 83 Prozent des Marktes auf sich.