Das Medienunternehmen Trump Media, zu dem die Plattform Truth Social gehört, hat erstaunliche Geschäftszahlen bekannt gegeben

Für Trump Media & Technology Group (TMTG) wird es ungemütlich. Das Medienunternehmen von US-Präsident Donald Trump hat im zweiten Quartal einen gewaltigen Verlust eingefahren und zieht nun die Notbremse bei seiner bisherigen Expansionsstrategie. Statt sich gleichzeitig in Krypto, Online-Wetten, Fintech und andere Geschäftsfelder vorzuwagen, will sich das Unternehmen wieder stärker auf das konzentrieren, was eigentlich der Kern des Geschäfts sein sollte: Truth Social.

 Im zweiten Quartal summierte sich der Nettoverlust auf 238,1 Millionen US-Dollar – mehr als das Zehnfache des Verlusts im Vorjahreszeitraum. Je Aktie weitete sich der Verlust von acht auf 86 Cent aus. Gleichzeitig blieb der Umsatz trotz eines Anstiegs um rund 89 Prozent auf lediglich 1,7 Millionen Dollar verschwindend gering. An der Börse kam daS alles andere als gut an. Die Trump-Media-Aktie verlor rund acht Prozent an Wert und hat sich auf Jahressicht nahezu halbiert.

Die Dimension des Problems wird beim Blick auf die Zahlen besonders deutlich: Trump Media verlor im Quartal also mehr als das Hundertfache seines Umsatzes. Zwar ist der hohe Fehlbetrag zu einem erheblichen Teil auf nicht realisierte Wertverluste bei Bitcoin und anderen digitalen Vermögenswerten zurückzuführen. Doch auch operativ sieht es alles andere als rosig aus. Bereinigt um diese Bewertungseffekte, Steuern, Zinsen und weitere Sonderposten lag der operative Verlust immer noch bei 164 Millionen Dollar, nach 44 Millionen Dollar im Vorjahr.

Der neue Chef Kevin McGurn will deshalb offenbar einen Schlussstrich unter die bisherige Strategie ziehen. Die geplante Expansion in Geschäftsfelder wie Online-Wetten und Kryptowährungen will der seit rund vier Monaten amtierende McGurn weitgehend zurückgefahren.  Das ist ein bemerkenswerter Strategiewechsel: Noch vor wenigen Monaten hatte Trump Media mit einer ganzen Reihe neuer Projekte für Schlagzeilen gesorgt. Nun wird deutlich, dass die Diversifizierung bislang vor allem eines produziert hat: hohe Kosten und enorme Verluste.

Besonders bitter für Trump Media: Ausgerechnet die Krypto-Strategie, mit der das Unternehmen seinen Wert eigentlich steigern wollte, hat den Quartalsverlust massiv aufgebläht. Die fallenden Kurse von Bitcoin und dem Token Cronos führten zu hohen nicht realisierten Bewertungsverlusten. Dabei sitzt Trump Media weiterhin auf einem beträchtlichen Krypto-Vermögen. Ende Juni verfügte das Unternehmen über mehr als 400 Millionen Dollar an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen sowie rund 1,2 Milliarden Dollar in Bitcoin und Bitcoin-bezogenen Vermögenswerten. Das sorgt für eine paradoxe Situation: Auf der einen Seite ist Trump Media finanziell vergleichsweise gut mit Liquidität ausgestattet, auf der anderen Seite erwirtschaftet das eigentliche Geschäft kaum Umsatz.



Der Hoffnungsträger heißt deshalb jetzt Truth API. Dahinter steckt ein ungewöhnliches Geschäftsmodell: Handelsunternehmen erhalten über eine Schnittstelle besonders schnellen Zugriff auf Beiträge wichtiger Truth-Social-Nutzer. Dazu gehört vor allem Donald Trump selbst, dessen Posts regelmäßig Einfluss auf Finanzmärkte haben können. Und genau daraus will Trump Media Kapital schlagen. Laut McGurn zahlen Kunden zwischen 60.000 und 100.000 Dollar pro Monat für den Dienst, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Zehn Kunden habe man bereits gewonnen, darunter vor allem Hochfrequenzhändler. Allein diese zehn Kunden könnten damit theoretisch 7 bis 12 Millionen Dollar Jahresumsatz generieren – also ein Mehrfaches dessen, was Trump Media im gesamten vergangenen Jahr umgesetzt hat.

McGurn sieht darin erst den Anfang. Der Markt sei deutlich größer als nur die Hochfrequenzhändler und umfasse auch Rechenzentren, Nachrichtenunternehmen und Entwickler großer KI-Sprachmodelle. Das Geschäftsmodell ist allerdings nicht unumstritten. Kritiker sehen einen möglichen Interessenkonflikt darin, dass Marktteilnehmer für besonders schnellen Zugang zu potenziell kursbewegenden Beiträgen des US-Präsidenten bezahlen. McGurn weist die Kritik zurück und argumentiert, der Verkauf lizenzierter Echtzeitdaten über kommerzielle Schnittstellen sei in der Technologie-, Finanz- und Medienbranche gängige Praxis.



Ein Projekt wird allerdings nicht gestrichen: die geplante Fusion mit dem Kernfusionsunternehmen TAE Technologies. „Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass dies der mit Abstand wichtigste Treiber für den langfristigen Wert des Unternehmens ist" zitiert AP den TMTG-Chef.  Der Abschluss der Transaktion wird demnach weiterhin für das vierte Quartal 2026 beziehungsweise früher angestrebt. Die geplante Transaktion hat ein Volumen von rund sechs Milliarden Dollar und würde Trump Media damit endgültig weit über das klassische Mediengeschäft hinausführen. Die ursprünglich geplante Abspaltung von Truth Social wurde dagegen im Juni vorerst aufgegeben.




Fazit

Für Anleger bleibt damit eine ungewöhnliche Mischung: ein Unternehmen mit gewaltigen Finanzreserven, einem milliardenschweren Bitcoin-Bestand und großen Zukunftsplänen – aber mit mickrigen Umsätzen und massiven Verlusten. Die Aktie eignet sich allenfalls für sehr risikofreudige Anleger.