Gerade erst hat sich OHB Technoloy mit Rheinmetall im Rüstungsbereich zusammen geschlossen. Nun dockt das Unternehmen auch noch in der zukunftsträchtigen europäischen Raumfahrt an
Das Bremer Satelliten-Unternehmen OHB SE hat die European Moonport Company gegründet. In der neuen Gesellschaft mit Sitz am OHB-Standort in Oberpfaffenhofen in der Nähe von München werden zukünftig die Aktivitäten des Unternehmens rund um zukünftige Mondmissionen gebündelt. Europas Ziel, eine Vorreiterrolle bei der Rückkehr der Menschheit zum Mond einzunehmen, wird dabei durch den Aufbau einer europäischen Mondinfrastruktur unterstützt. Der Mond entwickelt sich zunehmend zu einem geopolitisch bedeutsamen Ziel - und da will Europa mitmischen. Bei der Ministerratskonferenz der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA im vergangenen November hat Deutschland in Europa die Führungsrolle übernommen. „Der Mond ist der nächste große Schritt für Europas Raumfahrt. Initiativen wie die European Moonport Company zeigen, wie industrielle Stärke, regionale Kompetenz und eine klare europäische Vision zusammenkommen können“, zitiert die entsprechende Pressemitteilung Josef Aschbacher, ESA-Generaldirektor. „Für die ESA ist entscheidend, dass Europa die Fähigkeiten aufbaut, um dauerhaft, nachhaltig und eigenständig auf dem Mond präsent zu sein – als verlässlicher und aktiver Partner einer internationalen Mondarchitektur.“
Der Aufbau von Infrastruktur auf dem Mond stellt dabei die Weichen für einen entstehenden Wirtschaftsraum. Grundlage ist eine zukünftige Mondinfrastruktur, etwa mit Start- und Landeplätzen. Gemeinsam mit Munich Airport International hat OHB der Pressemitteilung zufolge ein erstes Konzept für eine zentrale Start- und Landebasis auf der Mondoberfläche erarbeitet. Ein derartiger „Moonport“ als sicherer Anlaufpunkt für Logistikflüge und bemannte Raumschiffe ist ein entscheidender Stützpfeiler für die Entwicklung eines wirtschaftlichen Ökosystems auf dem Mond. „Mit der Gründung der European Moonport Company unterstützen wir die europäische Ambition, aus eigener Kraft eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond aufzubauen und damit die Grundlage für zukünftige wissenschaftliche Missionen und wirtschaftliche Aktivitäten zu schaffen“, sagt OHB-Chef Marco Fuchs.
Erst vor kurzem hatte OHB bekannt gegeben, bei einem Satellitenprojekt für die Bundeswehr zusammenarbeiten zu wollen. Dabei geht es um eine mögliche gemeinsame Bewerbung für den Aufbau eines satellitenbasierten Kommunikationsnetzes, das technisch an Elon Musks Starlink-Konstellation angelehnt ist. Dieses System soll nach aktuellen Berichten bis 2029 mehrere hundert Satelliten umfassen und Panzer, Schiffe, Flugkörper oder Soldaten der Bundeswehr in Echtzeit vernetzen. Der geschätzte Auftragswert wird auf 8–10 Milliarden Euro beziffert.
Fazit
Mit der Gründung der European Moonport Company verschafft sich OHB ein weiteres Standbein im perspektivisch sehr wichtigen Markt der europäischen Raumfahrt. Kurzfristig dürfte die Aktie aber auf weitere Nachrichten rund um das Satellitenprogramm für die Bundeswehr reagieren. Die Aktie von OHB hat bereits kräftig zugelegt. Kommt eine positive Entscheidung der Bundeswehr, dürfte es weiter aufwärts gehen. Bei einer negativen Entscheidung droht allerdings erhebliches Rückschlagspotenzial.