Nike, der globale Tonangeber unter den Sport-Spezialisten, kommt nicht aus der Krise. Nach Quartalszahlen stürzt die Aktie auf neue Rekordtiefs. Die Konkurrenz schlägt sich besser.

Der weltgrößte Sportartikelhersteller steht unter Druck wie seit Jahren nicht mehr. Den US‑Konzern plagen strategische Fehler, geopolitische Risiken und eine erstarkende Konkurrenz gleichzeitig. Am Mittwochvormittag sackten die Nike-Papiere um nahezu zehn Prozent ab. Bei der Vorlage der jüngsten Zahlen wurde deutlich, wie tief die Probleme des Konzerns sitzen.

Der Strategiewechsel der vergangenen Jahre, weg vom Handel, stärker hin zu Direktvertrieb, hat Nike Regalflächen in den Geschäften gekostet. Rivalen wie der Schweizer Sneaker-Hersteller On oder der deutsche Wettbewerber Adidas haben diese Chance geschickt zu nutzen gewusst.

Hinzu kommen nun auch noch der Krieg im Nahen Osten und hohe Energiepreise, die den Verbrauchern auf die Konsumlaune schlagen könnten, während etwa in Europa hohe Lagerbestände belasten.

Die jüngsten Zahlen zeigen, wie sehr Nike ins Straucheln geraten ist: Der Umsatz stagnierte bei 11,3 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge fiel bereits das sechste Quartal in Folge, diesmal auf 40,2 Prozent. Als Hauptgrund nannte das Management steigende Importzölle auf Schuhe und Bekleidung, die Nike größtenteils in Asien produzieren lässt.

Einen Lichtblick gab es: Immerhin lag der Gewinn je Aktie mit 35 Cent über den Analystenschätzungen.

Dafür enttäuschte der Ausblick umso mehr. Die Führungsriege stellt sich im laufenden Quartal auf sinkende Erlöse ein und rechnet mit einem Minus von zwei bis vier Prozent. Analysten hatten aber eigentlich ein moderates Wachstum von rund zwei Prozent erwartet.

Besonders kritisch ist die Entwicklung in China, wo Nike im laufenden Quartal mit einem Umsatzeinbruch von rund 20 Prozent rechnet. Auch auf Jahressicht dürften daher die Umsätze sinken, schließlich zählt das Reich der Mitte für Nike zu den wichtigsten Absatzmärkten.

Eine neue, längerfristige Strategie will Nike erst im Herbst auf einem Kapitalmarkttag vorstellen.

Die Analysten reagierten entsprechend kühl. Die kanadische Bank RBC bestätigte zwar das „Outperform“-Rating sowie das Kursziel 78 Dollar, doch die Übergangsphase dauere „länger als angenommen“. Die Schweizer UBS sieht kurzfristig weiteres Abwärtspotenzial und senkte das Kursziel auf 54 Dollar. Barclays betont vor allem die Schwäche in China und rechnet erst in etwa einem Jahr mit ersten Wachstumssignalen. Das Kursziel senkten die Analysten von 73 auf 67 Dollar. Wegen eines vorteilhaften Chance-Risiko-Verhältnisses bleibt es aber bei „Übergewichten“.

Während die Nike-Papiere auf ein neues Mehrjahrestief abrutschten, konnten sich die beiden deutschen Sportartikelkonzerne Adidas und Puma in einem insgesamt freundlichen Börsenumfeld im Plus halten.

Marktteilnehmer hoffen derzeit darauf, dass der Iran-Krieg bald ein Ende findet. Zudem könnten Nikes Probleme den Wettbewerbern neue Chancen eröffnen, erwarten einige Börsianer. Adidas veröffentlicht am 29. April die Ergebnisse des ersten Quartals, Puma folgt einen Tag später.

Auch die On-Papiere konnten sich stabilisieren, nachdem zuletzt der überraschende Abgang des langjährigen CEO Martin Hoffmann Anleger verunsichert hatte.

Nike (WKN: 866993)

Fazit

Nike-Chef Elliott Hill versucht zwar, das Ruder herumzureißen. Doch der Turnaround wird ein Marathon, kein Sprint. Anleger halten sich an der Seitenlinie.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Puma.

Enthält Material von dpa-AFX