Botín ist die mächtigste Bankerin Europas – und kauft gerade für 10 Milliarden Euro die US-Regionalbank Webster. Auch bei Europas Bankenkonsolidierung wird Santander noch eine wichtige Rolle spielen.

Die spanische Großbank Santander ist mit 157 Milliarden Euro Marktwert die größte Bank der Eurozone (Commerzbank: 39,6 Milliarden Euro). Die Santander-Aktie zählte 2025 mit einem Plus von 130 Prozent auch zu den Bestperformern unter Europas Bankaktien. Im vergangenen Jahr kletterte der Gewinn nach Steuern um zwölf Prozent auf den Rekordwert von 14 Milliarden Euro. Steigende Zinserträge, solide Kapitalquoten und ein Mega-Aktienrückkaufprogramm machten die Madrider zum Börsenrenner.

Diese Woche sorgte CEO Ana Botín mit einer spektakulären Übernahme für Schlagzeilen. Die Spanier wollen für mehr als zehn Milliarden Euro die US-Regionalbank Webster übernehmen und damit nicht nur ihr US-Geschäft deutlich ausbauen, sondern mit dem hochwertigem Einlagengeschäft auch ihre Profitabilität steigern.

Aus Sorge vor neuen Risiken sackte der Santander-Aktienkurs zunächst durch, erholte sich jedoch im weiteren Verlauf. „Die Risiken werden durch eine angemessene Rendite kompensiert“, begründete Santander-CEO Ana Botin den Zukauf. Man müsse bei dem Zukauf den globalen Kontext beachten.

Santander sortiert derzeit sein globales Beteiligungsportfolio. Im vergangenen Jahr hatten die Spanier ihre Aktivitäten in Polen für sieben Milliarden Euro verkauft. Nun habe man auf allen Märkten die gewünschte Größe. Sagt Botín.

Ob man Botíns Aussage trauen darf, dass es zumindest in den kommenden drei Jahren keine weiteren größeren Zukäufe geben wird? Fest steht, dass die Spanier ihre Vormachtstellung auch in Europa weiter ausbauen wollen. Kommt hier die Bankenkonsolidierung erst mal in Gang, wird auch die Madrider Großbank eine führende Rolle spielen. Schon jetzt ist die Santander Consumer Bank eine der größten Privatbanken in Deutschland und vor allem im Segment Auto- und Konsumkredite positioniert.

Fazit

Auch wenn ein Zukauf in Deutschland derzeit nicht auf der Agenda steht, könnten die Spanier mit einer Übernahme der Commerzbank ihre Position in einem der wichtigsten Bankenmärkte Europas signifikant ausbauen. Regulatorische Hürden wären ein Hindernis, aber wohl überwindbar. Schwieriger wird es, weil die Commerzbank in Deutschland als systemrelevantes Institut gilt, und die Bundesregierung bereits die Übernahmeversuche der italienische Großbank Unicredit abblockt. Santander müsste bei einem solchen Vorhaben aus dem Unicredit-Vorstoß lernen. Und nicht nur Kapital einsetzen, sondern auch ein schlüssiges Konzept – und nicht zuletzt Diplomatie. 

Banco Santander (WKN: 858872)