Der überraschend starke Quartalsbericht des US-Technologiekonzerns hat für Aufsehen gesorgt und der Oracle-Aktie zeitweise zweistellige Kursgewinne beschert. Offenbar haben Anleger den Anbieter von Unternehmenssoftware- und Cloud-Diensten trotz der jüngsten Sorgen um die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz noch nicht abgeschrieben.
Nicht nur die besser als erwarteten Zahlen, sondern auch die angehobene Prognose honorierten die Marktteilnehmer: Das Management erwartet für das Fiskaljahr 2027 nun 90 Milliarden Dollar Umsatz, eine Milliarde mehr als bisher in Aussicht gestellt und auch mehr, als die Wall Street erwartet hatte.
Im dritten Quartal steigerte der SAP-Rivale den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent auf 17,19 Milliarden Dollar und ließ damit die Erwartungen der Analysten hinter sich. Beim Gewinn je Aktie schnitt der US-Konzern mit 1,79 Dollar ebenfalls besser ab als erwartet. Die Börse hatte mit 1,70 Dollar je Anteilsschein gerechnet.
Im Cloud-Geschäft, das aus Infrastruktur- und Software- as-a-Service-Angeboten besteht, erzielte Oracle insgesamt 8,9 Milliarden Dollar Umsatz. Das entspricht einem Plus von 44 Prozent und übertraf die von Analysten erwarteten 8,85 Milliarden Dollar.
Die Cloud-Infrastruktur legte um satte 84 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar zu und stellte damit das bereits starke Wachstum des Vorquartals von 68 Prozent in den Schatten. Für das laufende vierte Quartal erwartet Oracle dort ein Plus zwischen 46 und 50 Prozent.
Allerdings hat das Wachstum seinen Preis: Die Gesamtverschuldung des Unternehmens stieg zuletzt auf 108,1 Milliarden Dollar, weitere 45 bis 50 Milliarden Dollar sollen hinzukommen.
Oracle zählt zu den weltweit größten Cloud-Betreibern sowie zu den führenden Anbietern von KI-Infrastruktur. Den Auf- und Ausbau der entsprechenden Infrastruktur lassen sich die Amerikaner Milliarden kosten. An anderer Stelle wird dagegen gespart: So plant der US-Konzern laut Bloomberg, Tausende von Stellen einzusparen.
Technologie-Chef Larry Ellison bemühte sich derweil, Sorgen um die „SaaS-Apokalypse“ zu zerstreuen, also die Befürchtung, KI könnte Software-Abo-Modelle überflüssig machen. Oracle sei ein Profiteur des Wandels: „Die SaaS-Apokalypse gilt für andere, aber nicht für uns“, so der Firmenmitgründer gegenüber Analysten.
Bei SAP kam die Erleichterung über die Oracle-Zahlen allerdings nicht an. Der DAX-Wert rutschte in den letzten Tagen ab, obwohl die UBS ihre Kaufempfehlung mit Kursziel 205 Euro bestätigte.
Fazit
Für Oracle sind die Ergebnisse eine Atempause nach einiger schwierigen Phase. Angesichts der großen Unsicherheiten im Markt bleiben Anleger an der Seitenlinie.