Der Betreiber des gleichnamigen Streaming-Dienstes für Musik und Podcasts liefert zwar ordentliche Zahlen zum Jahresauftakt ab, die Prognose für Premium-Nutzer und Profitabilität sorgt bei den Anlegern aber für Enttäuschung. Die Anteilsscheine der Schweden setzen in der Folge deutlich zurück. 

Seit Jahresbeginn ist Spotify mit neuer Führung unterwegs: Alex Norström und Gustav Söderström fungieren seither zusammen als Co-Chefs, nachdem sich Mitgründer Daniel Ek nach rund zwei Dekaden als CEO zum 1. Januar auf den Posten des Executive Chairman (leitender Vorsitzender) zurückzog. 

Das erste Quartal unter Verantwortung der beiden Co-Chefs verlief bei Spotify durchaus erfolgreich: Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer fiel mit 761 Millionen rund zwölf Prozent höher aus als vor einem Jahr. Dazu verfügte der Dienst Ende März über 293 Millionen zahlende Premium-Nutzer, im Jahresvergleich ein Plus von neun Prozent. Finanziell legte der Umsatz zur Vorjahresperiode um rund acht Prozent zu und landete mit etwa 4,5 Milliarden Euro im Rahmen der Markterwartung. Zu konstanten Wechselkursen stand ein Zuwachs von 14 Prozent.

Premium-Geschäft trägt

Mehr als 90 Prozent der Erlöse erzielt der Konzern mit Premium-Nutzern, die monatlich eine Gebühr für eines der Abo-Modelle zahlen. Der Umsatz kletterte in dem Segment um zehn Prozent, gestützt vom Nutzerwachstum. Obendrein hat der Konzern in Ländern wie den USA im Februar aber auch Abo-Preise erhöht. 

Rückläufig entwickelten sich, trotz höherer Nutzerzahl, die Erlöse aus dem werbefinanzierten Modell. Konsumenten können dabei kostenlos auf Inhalte zugreifen, hören dafür aber Werbung. Bei Anzeigen, die rund um Musik ausgespielt wurde, belasteten mitunter auch Preisrückgänge. Zugewinne gab es beispielsweise bei Spots während Podcasts. 

Marge verbessert

Im werbefinanzierten Geschäft ging die Profitabilität gegenüber Vorjahr leicht zurück, auch wegen höherer Kosten für Musik und anderen Aufwendungen. Im Premium-Segment überstiegen Zugewinne dagegen die gestiegenen Kosten für Inhalte. 

Konzernweit konnte Spotify die Bruttomarge so um rund 1,4 Prozentpunkte auf 33 Prozent steigern und schnitt damit leicht besser ab als von Analysten antizipiert. Der operative Gewinn legte im Jahresvergleich um 40 Prozent zu und übertraf damit die eigene Zielsetzung. 

Spotify (WKN: A2JEGN)

Aktie knickt ein

Die Zahlenvorlage war dennoch keine Musik in den Ohren der Investoren. Die Aktie rutschte rund 15 Prozent ab und näherte sich wieder ihrem Jahrestief aus dem Februar. 

Gewinnziel enttäuscht

Der Blick voraus begeisterte Anleger nicht; Im laufenden Jahresviertel soll die Zahl der monatlich aktiven Nutzer auf 778 Millionen steigen. Dies liegt leicht über der durchschnittlichen Schätzung der Analysten. Bei den von Spotify anvisierten 299 Millionen zahlenden Premium-Kunden hatten die Experten dagegen im Schnitt noch etwas mehr erwartet. Dazu soll die Bruttomarge nur geringfügig auf 33,1 Prozent zulegen. Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit Steigerungen bei Bruttomarge und operativer Marge, die quartalsweise Entwicklung werde aber schwanken und vom Zeitpunkt der Investitionen abhängen, erklärte Finanzchef Christian Luiga. 

Neben der Zahl der Premium-Nutzer fiel so auch die Prognose für den operativen Gewinn schwächer aus als erwartet: Zwar soll dieser gegenüber dem Vorjahresquartal deutlich auf 630 Millionen Euro steigen, die Markterwartung implizierte allerdings fast 675 Millionen Euro. Es werfe die Frage auf, ob das auf erneute Investitionen hindeutet, schrieben Analysten der Investmentbank KeyBanc Capital Markets. Experten von Bloomberg Intelligence verwiesen mit Blick auf die nur geringere angepeilte Margenausweitung auch auf Bedenken, wonach Musik auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) Marktanteile erobern könnte. 

Fazit

Die Zahlen fielen robust aus, beim Ausblick hatten Investoren vor allem für das operative Ergebnis mehr erwartet. Die vierteljährliche Gewinnentwicklung wird nach Konzernangaben auch am Zeitpunkt von Investitionen hängen. Experten von Bloomberg Intelligence verwiesen in ihrer Reaktion auch auf das Thema KI. Dieses könne für Spotify nicht nur Risiko, sondern auch Chance bedeuten, dann aber auch höhere Investitionen erfordern und die angestrebte Margensteigerung bremsen. 

Nach dem heutigen Abverkauf rückt charttechnisch der Bereich rund um 350 Euro in den Fokus, der in der Spätphase 2024 und zuletzt im Februar gehalten hat. Interessierte Anleger beobachten den Titel erstmal. 

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Spotify.