Nach JP Morgan haben auch die US-Großbanken Citigroup, Bank of America und Wells Fargo Zahlen vorgelegt. Die Wall Street reagierte trotz sprudelnder Zinseinnahmen enttäuscht. Für den DAX könnte das fatale Folgen haben.
Zwischen drei und fünf Prozent verloren die Aktien von Wells Fargo und Citigroup nach Vorlage der Zwischenberichte am Mittwoch. Wie bei JP Morgan sorgten auch bei Citigroup außerordentliche Effekte für Ergebnisbelastungen. Citigroup hat sich vom Russland-Geschäft getrennt, was über eine Milliarde Dollar kostete und den Gewinn entsprechend schmälerte. Beim Zinsüberschuss gab es teilweise Enttäuschungen, etwa bei Wells Fargo, was den gesamten Sektor belastete.
Bei Citigroup führte die Trennung vom Russland-Geschäft im vierten Quartal zu einem Gewinnrückgang um 13 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar trotz florierender Geschäfte im Investmentbanking. Im Gesamtjahr kletterte der Gewinn um 13 Prozent auf 14 Milliarden Dollar. CEO Jane Fraser bestätigte das Ziel, die Eigenkapitalrendite in diesem Jahr auf zehn bis elf (2025: 8,8) Prozent zu steigern.
Die Bank of America konnte dank hoher Zinserträge den Nettogewinn im vierten Quartal um zwölf Prozent auf 7,6 Milliarden Dollar steigern. Bei Wells Fargo wiederum schmälerte ein Sparprogramm den Gesamtgewinn, der bei einem Plus von sechs Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar die Erwartungen der Analysten enttäuschte. Im Gesamtjahr legte der Gewinn acht Prozent auf 21,3 Milliarden Dollar zu.
Branchenprimus JP Morgan hatte bereits am Dienstag seine Zahlen vorgelegt. Die Übernahme der Apple-Kreditkartenpartnerschaft führte wegen übernommener Kreditrückstellungen zu einem Gewinnrückgang auf 13 (Vorjahr: 14) Milliarden Dollar im Quartal. Der Gewinn im Gesamtjahr ging demzufolge um zwei Prozent auf 57 Milliarden Dollar zurück.
Banken protestieren gegen Trumps Kreditkarten-Pläne
Die US-Banken nutzten die Zahlenvorlage, um gegen die Pläne von US-Präsident Donald Trump zu protestieren, die Kreditkartenzinsen für ein Jahr auf zehn Prozent zu deckeln. Wells-Fargo-Finanzchef Mike Santomassimo warnte davor, dass die Pläne das US-Wachstum bremsen könnten, weil viele Amerikaner schwieriger an Kredite kämen. Auch Hedgefondsmanager Bill Ackmann bezeichnete die Pläne als „Fehler". Sie könnten dazu führen, dass Banken gezwungen seien, Millionen von Kunden die Karten zu kündigen. Santomassimo wiederum fürchtet, dass Kunden in schwächer regulierte Finanzdienstleistungsbereiche abseits der traditionellen Banken abwandern könnten. Laut Analysten müssen sich die US-Banken ohnehin für größere Volatilität am Kreditmarkt rüsten.
Fazit
Außerordentliche Effekte haben die Zwischenberichte der großen US-Banken überschattet. Im operativen Geschäft haben die Häuser dagegen teils etwas besser abgeschnitten als erwartet. So erzielte das zweitgrößte US-Institut Bank of America dank sprudelnder Zinserträge einen Jahres-Gewinnanstieg um 20 Prozent auf 30 Milliarden Dollar. Auch Citigroup überraschte positiv. An der Börse löste diese Gemengelage jedoch keine Begeisterungsstürme aus, so dass die Aktienkurse der Geldhäuser unter Druck gerieten.
Die Aktien europäischer Banken sowie von Deutscher Bank und Commerzbank zeigten sich von den US-Zahlen unbeeindruckt. Consorsbank-Chefmarktanalyst Jochen Stanzl sieht den DAX allerdings nach dem eher enttäuschenden Auftakt der US-Berichtssaison vor einer möglichen Konsolidierung. „Wenn der Schwung im DAX jetzt nachlässt, werden die Anleger gezwungen sein, teils widersprüchliche fundamentale Rahmenbedingungen wieder stärker gegeneinander abzuwägen", sagte Stanzl.