Die US-Großbank JPMorgan hat ihre Bewertung für die Aktie von Siemens wieder aufgenommen. Ihr Urteil fällt eindeutig aus
Die US-Großbank JPMorgan hat ihre Bewertung für die Aktie des deutschen Industriegiganten Siemens wieder aufgenommen und zeigt sich ausgesprochen optimistisch. Analyst Phil Buller setzt in der aktuellen Studie ein Kursziel von 300 Euro und stuft die Papiere des Münchner Technologiekonzerns mit „Overweight“ ein. Damit signalisiert die Bank, dass sie Siemens überdurchschnittliche Wachstumschancen im Branchenvergleich zutraut. Bemerkenswert ist zudem, dass Buller die Aktie auf die „Analyst Focus List“ setzte und sie zusätzlich mit einer „Positive Catalyst Watch“ versah – ein klarer Hinweis darauf, dass er kurzfristig positive Kursimpulse erwartet. „Die ,neue Siemens‘ ist noch nicht eingepreist“, betonte Buller mit Blick auf die tiefgreifende Transformation des Unternehmens.
Tatsächlich hat Siemens in den vergangenen acht Jahren einen grundlegenden Umbau vollzogen. Zahlreiche Randaktivitäten wurden abgestoßen, der Fokus liegt heute stärker auf den Kernfeldern Digitalisierung, Automatisierung und smarter Infrastruktur. Oft war in diesem Zusammenhang von einer „Gletscherschmelze“ die Rede – ein Bild für die langsame, aber konsequente Bereinigung des Portfolios. Nun steht der nächste große Schritt bevor: Mit dem 73-Prozent-Anteil an Siemens Healthineers rückt der Gesundheitsbereich stärker in den Mittelpunkt. Für Buller ist dies nicht nur ein strategisch bedeutender Schritt, sondern möglicherweise auch der Schlusspunkt der Neuausrichtung.
Von besonderer Bedeutung wird der Kapitalmarkttag am 9. Dezember sein. Hier bietet sich dem Management die Gelegenheit, die Strategie der „neuen Siemens“ gegenüber Investoren überzeugend darzulegen und das Vertrauen in weiteres Wachstum zu stärken. Buller spricht in diesem Zusammenhang von einem potenziellen „Positive Catalyst“ – einem Ereignis also, das die Neubewertung der Aktie vorantreiben könnte.
Am Markt ist die Erwartung entsprechend hoch: Anleger blicken gespannt darauf, ob Siemens die in den vergangenen Jahren geschärfte Positionierung nun auch in nachhaltiges Gewinnwachstum übersetzen kann. Während Wettbewerber wie General Electric oder Schneider Electric ebenfalls auf Zukunftstechnologien setzen, sehen Analysten bei Siemens durch die Kombination aus Industrie-Know-how, Digitalisierung und dem Einstieg in den Gesundheitssektor ein Alleinstellungsmerkmal. „Wir sehen Siemens an einem Wendepunkt“, fasst Buller zusammen. „Die klare Fokussierung eröffnet dem Unternehmen eine Bewertung, die über das aktuelle Niveau hinausgehen sollte.“
Fazit
Mit der Wiederaufnahme der Bewertung durch JPMorgan rückt Siemens erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit großer Investoren. Die Einstufung als „Overweight“ bei einem Kursziel von 300 Euro und die Aufnahme in die Analyst Focus List sind klare Signale für erhebliches Potenzial. Entscheidend wird nun der Kapitalmarkttag im Dezember: Dort muss das Management zeigen, dass die „neue Siemens“ – nach Jahren des Umbaus und mit der Healthineers-Beteiligung als Schlüsselbaustein – nicht nur strategisch schlüssig aufgestellt ist, sondern auch dauerhaft höhere Erträge liefern kann. Gelingt dieser Vertrauensbeweis, dürfte die Aktie den nächsten Bewertungsaufschwung erleben. Andernfalls könnten die hohen Erwartungen schnell zur Hypothek werden.