Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Wohnung gekauft und den Preis zur Hälfte mit Hypotheken bezahlt. Ihr Besitz beläuft sich also auf 50 Prozent der Wohnung. Wenn die Schulden komplett abgebaut sind, ist ihr Besitz doppelt so viel wert.
Das vereinfachte Bild passt gut zu EuroTeleSites, eine hierzulande wenig beachtete Aktie (WKN: A3EVYK). Das Unternehmen gehörte mal zum österreichischen Telekomkonzern A1, war zuständig für Aufbau und Betrieb der Mobilfunkmasten. Überall, wo der österreichische Platzhirsch vertreten ist, stehen die Masten – rund 14.000 in Österreich und fünf in osteuropäischen Ländern. 2023 wurde EuroTeleSites abgespalten, musste aber alle Schulden, die zum Aufbau der Masten angefallen waren, mit in die Eigenständigkeit übernehmen. Am Anfang war das mehr als das Siebenfache des Betriebsergebnisses. Das ist finanzierbar, aber nicht komfortabel.
EuroTeleSites ist deshalb dabei, die Schulden zu senken. In den ersten beiden vollen Geschäftsjahren gelang es schon, die Schuldenquote um rund zwei Prozentpunkte zu senken, im vergangenen Jahr wurde um 34 Millionen Euro getilgt. Und hier kommt die Börse noch nicht mit. Eigentlich hätte die Aktie um den Betrag zulegen müssen, sie hat auf Jahressicht aber verloren. Gleichzeitig ist aber auch das Betriebsergebnis gestiegen. Das Unternehmen vermietet seine Masten. Hauptmieter ist A1. Deren Zahlungen steigen um die Inflationsrate. Gleichzeitig baut EuroTeleSites neue Masten und kann weitere Mieter auf bestehende Masten bringen. Letzteres ist besonders lukrativ, weil zusätzliche Mieter ja keine Kosten verursachen.
Klar ist: Der Entschuldungs- und Wertsteigerungskurs des Unternehmens geht weiter. Mal abwarten, wann die Börse beginnt, den Braten zu riechen.