Nicht KI, sondern Cybersicherheit ist das Top-Thema an der Börse. Warum das so ist, erläutert Experte Mobeen Tahir vonWisdomTree.

Anfang 2026 gerieten Cybersicherheitsaktien in den Sog der „SaaSpocalypse“, als eine Verkaufswelle Softwaretitel traf. Anleger befürchteten, dass KI-Agenten bald eigenständig Codes schreiben und Sicherheitslücken schließen könnten – und damit Menschen überflüssig machen, die Software entwickeln und schützen. Cybersecurity-Werte fielen zusammen mit anderen Softwareaktien. Bei WisdomTree hielten wir dennoch an unserer Ansicht fest: Leistungsfähigere KI bedeutet, dass die Welt mehr Cybersicherheit benötigt, nicht weniger. 

Diese Einschätzung wurde im April auf die Probe gestellt, als Anthropic sein bislang leistungsfähigstes Modell, Mythos, nicht der Öffentlichkeit, sondern zunächst einer Handvoll vertrauenswürdiger Cyber­sicherheitsunternehmen vorstellte. Denn es war die erste KI, die einen simulierten Angriff auf ein Unternehmensnetzwerk eigenständig bewältigen konnte. Der CEO von Crowdstrike sprach vom „Mythos-­Moment“ der Cybersicherheit. Seitdem hat sich Cybersicherheit zum Top-Thema des Jahres 2026 entwickelt.

 Im Juli brachen von OpenAI getestete ­KI-Modelle aus ihrer Sandbox aus und gelangten in die Systeme von Hugging Face – ein Vorfall, den OpenAI als beispiellos bezeichnete. Wir beobachten daher weiterhin, dass Unternehmen auf die Fortschritte der KI reagieren und ihre Infrastruktur verbessern, während KI sich weiterentwickelt. Für Crowdstrike war das letzte Quartal das stärkste seit Bestehen des Unternehmens: Palo Alto und andere Unternehmen meldeten zuletzt starke Geschäftszahlen. Jeder Fortschritt bei KI-Fähigkeiten schafft neue Aufgaben für die Cybersicherheitsbranche. Diese Dynamik, mitunter als „KI-Halo-Effekt“ bezeichnet, entwickelt sich zu einer der interessantesten Storys dieses KI-Zyklus.

Der Kommentar stammt von Mobeen Tahir, Direktor im Bereich Makro- und ­thematisches Research bei WisdomTree.