Der US-Spirituosenkonzern Sazerac will Berentzen übernehmen. Was das für die Berentzen-Aktie bedeutet, erläutert Experte Dirk Sammüller von Greiff Special Opportunities.
Manchmal liegt der wahre Wert eines Unternehmens nicht in seinen Produkten, sondern darin, wo sie stehen. Bei Berentzen steckt er weniger in den Likören selbst als in den Regalen bei Edeka, Rewe & Co. Den direkten Zugang zum deutschen Verbraucher will sich der US-Spirituosenkonzern Sazerac jetzt sichern.
5,55 Euro je Aktie und damit 68 Prozent Prämie auf den Dreimonatskurs klingen großzügig, allerdings war dieser zuvor von einem schwachen Geschäftsjahr zurechtgestutzt worden: Umsatz minus elf Prozent, Betriebsergebnis sogar minus 80 Prozent. Für ein schrumpfendes Geschäft sind 5,55 Euro fair, für einen strategischen Käufer alles andere als üppig. Unsere Bewertung liegt zwischen fünf und sieben Euro. Sazerac greift also am unteren Ende dessen zu, was wir für begründbar halten. Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen das Angebot, anschließend soll die Aktie von der Börse verschwinden.
Eine Nachbesserung ist damit nicht sicher. Wir sehen die Wahrscheinlichkeit bei 30 Prozent. Die Finanzkraft von Sazerac und der strategische Wert des Zugangs zum deutschen Handel sprechen dafür. Sollte nachgebessert werden, halten wir 6,00 bis 6,25 Euro für denkbar. Deshalb kann hier auch Nichtstun eine Strategie sein. Je weniger Aktionäre zunächst andienen, desto größer der Handlungsdruck. Dieser könnte Sazerac zunächst dazu bewegen, die Schwelle zu senken und sich mehr Zeit zu verschaffen.
Reicht auch das nicht, bliebe die Nachbesserung beim Preis. Und die wäre überschaubar: 50 Cent mehr für 9,4 Millionen Berentzen-Aktien entsprechen 4,7 Millionen Euro – für die Amerikaner eher Portokasse. Normalerweise kann Warten an der Börse Geld kosten. Bei Berentzen könnte es welches bringen.
Der Kommentar stammt von Dirk Sammüller, Fondsberater des auf Spezialsituationen fokussierten Aktienfonds Greiff Special Opportunities .