Die japanische Börse boomt. Was Anleger jetzt wissen müssen, erläutert Expertin Aneeka Gupta vom Vermögensverwalter Wisdom Tree
Japan gehört 2026 zu den auffälligsten Aktienmärkten. Zwar ist der Yen nach wie vor der entscheidende Faktor. Doch die nachhaltigere Entwicklung liegt jenseits der Währung und ist zunehmend hausgemacht. Drei Faktoren wirken sich synergetisch aus: eine Reform der Unternehmensführung, die Unternehmen dazu drängt, Rekordgewinne auszuschütten und Kreuzbeteiligungen abzubauen. Dies ist gepaart mit der Rückkehr der Inflation und positiven Reallöhnen sowie einem riesigen Sparpool der privaten Haushalte, der gerade erst beginnt, von Bargeld in Aktien umzuschichten.
Für Aktienanleger liegt der Reiz in der Breite des Marktes. Japan ist über die Elektronik- und Maschinenbauindustrie auch am KI-Ausbau beteiligt – Tokyo Electron und Advantest bei Werkzeugen für die Chipherstellung, Fanuc und Keyence bei Automatisierung und Robotik. Auf den Binnenmarkt ausgerichtete Banken wie Mitsubishi UFJ profitieren von höheren Zinsen und einer stärkeren Kreditvergabe, während Handelshäuser wie Mitsubishi Corp. und Itochu weiterhin Favoriten bei der Ausschüttung von Barmitteln sind.
Der Haken liegt bei der Währung. Eine starke Aufwertung des Yen schmälert die umgerechneten Gewinne der Exporteure und sorgt für kurzfristige Volatilität. Viele Unternehmen produzieren jedoch mittlerweile in der Nähe ihrer Endmärkte und konkurrieren über Technologie statt über den Preis. Die eigentliche Frage lautet, wie viel Yen-Exposure man in Kauf nehmen sollte. Anleger, die nur mit einer vorübergehenden Yen-Stärke rechnen, ziehen möglicherweise währungsgesicherte japanische Aktienpositionen vor, während diejenigen, die auf eine schnellere Straffung der Geldpolitik durch die Bank of Japan und einen stärkeren Yen setzen, ungesichert bleiben können.
Der Kommentar stammt von Aneeka Gupta, Direktorin im Bereich Makro-Research beim Vermögensverwalter WisdomTree.