Immer stärker rücken die Risiken der künstlichen Intelligenz in den Fokus. Was das für Anleger bedeutet, erläutert Experte Thomas Hartmann-Boyce von ARK Invest. 

Die Debatte über die Risiken künstlicher Intelligenz (KI) wird zunehmend politisch. Für Anleger ist dabei allerdings eine andere Frage entscheidend: Verändert die Diskussion über KI-Sicherheit die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der Technologie tatsächlich? Aus unserer Sicht bleibt die Investmentthese intakt: KI-Systeme werden rasant leistungsfähiger. Modelle erzielen bei langjährigen wissenschaftlichen Fragestellungen zunehmend aussagekräftige Ergebnisse. Dabei sinken die Kosten und die Fähigkeiten zur Computernutzung nehmen deutlich zu. 

Gleichzeitig sind operative Risiken wie Cybersicherheit, Missbrauch, die Zuverlässigkeit autonomer Agenten und Haftungsfragen real und verdienen ernsthafte Aufmerksamkeit. Sorge bereitet uns eher die Frage, was passiert, wenn spekulative Extremszenarien politische Entscheidungen bestimmen. Historische Parallelen zeigen, welche wirtschaftlichen Folgen das haben kann: Angst getriebener Widerstand verzögerte die Entwicklung der Kernenergie über Jahrzehnte. Europas Beschränkungen bei fossilen Energieträgern haben die Nachfrage nicht beseitigt, sondern Abhängigkeiten verlagert und die energiepolitische Flexibilität geschwächt.

 Aus der Investmentperspektive ist daher relevant, wie Politik und Regulierung auf diese Risiken reagieren. Regeln, die an messbaren Risiken ansetzen, können Sicherheit erhöhen. Regeln, die auf Extremszenarien zielen, können dagegen hohe fixe Kosten für Compliance und Evaluierungen verursachen. Deshalb sollten Anleger weniger auf die Lautstärke der Debatte als auf ihre konkreten wirtschaftlichen Effekte schauen: Gibt es Auswirkungen auf Kapitalausgaben für KI-Infrastruktur, die Veröffentlichung neuer Modelle oder die regulatorischen Vorgaben? Erst dann verändert sich die Investmentthese.

Der Kommentar stammt von Thomas Hartmann-Boyce, Global Head of Investment Solutions bei ARK Invest.