Ist die geforderte KI-Bremse Schutz vor den drohenden Gefahren oder nur in falsche Panikmache verpacktes Marketing?
Ausgerechnet Dario Amodei, Chef von Anthropic, einem der mächtigsten KI-Unternehmen, fordert eine Verlangsamung der KI-Entwicklung. Da kann man viel und lange über seine Intention diskutieren, was auch mehr als zur Genüge getan wird. Teilt er wirklich die Sorge, dass die KI eines Tages die Menschheit auslöschen könnte, wenn man ihre Entwicklung nicht umfassend und intensiv kontrolliert? Oder ist die geforderte KI-Bremse einfach nur in falsche Panikmache verpacktes Marketing?
Fakt ist, dass Anthropic unmittelbar nach den Warnungen seines Chefs eine neue – stark verbesserte – Version seines KI-Modells Opus zum Test freigegeben hat. Am Wochenende laut bremsen und dann am Montag direkt aufs KI-Gaspedal treten – überraschen kann das eigentlich niemanden. Denn wer in einem äußerst kompetitiven Umfeld nur etwas an Geschwindigkeit verliert, droht zurückzufallen. Das ist der Red-Queen-Effekt, der auf der Aussage der Roten Königin in Lewis Carrolls Buch „Alice hinter den Spiegeln“ basiert. Alice solle im Wunderland so schnell laufen, wie sie kann, nur um auf der gleichen Stelle zu bleiben. Schon bei der kleinsten Verlangsamung falle sie zurück.
Im KI-Wunderland ist die Situation fast noch kritischer. Denn es handelt sich um nichts Geringeres als die größte Revolution in der Menschheitsgeschichte, und es geht um verdammt viel Geld. Schon ein verlorener Tag könnte mehrere Millionen Dollar kosten und der Konkurrenz Vorteile verschaffen – nicht nur der im eigenen Land, sondern vor allem der in China. Bremsen ist definitiv keine Option. Das gilt auch für die Börse. Mit KI-Aktien wird sich noch eine Menge Geld verdienen lassen. Wenn uns die KI schon auslöscht, dann sterben wir wenigstens reich.
Der Kommentar stammt von Alfred Maydorn, Tech-Experte und Autor des maydornreport.