Der Halbleitersektor erlebt derzeit ein Wechselbad der Gefühle: Euphorie wechselt sich ab mit Zweifeln daran, ob sich der Investitionsboom rund um Künstliche Intelligenz (KI) wirklich lohnt oder ob sich längst eine Blase aufbläht. Auch die Bewertungen vieler Papiere sind ambitioniert. In diesem nervösen Umfeld kommen die Zahlen von TSMC genau zur rechten Zeit.
Der weltgrößte Auftragsfertiger für Halbleiter meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatzanstieg gegenüber Vorjahr von knapp 36 Prozent auf umgerechnet rund 34,6 Milliarden Euro und erfüllte damit die eigenen Ziele. Die Erwartungen der Branchenexperten wurden sogar leicht übertroffen.
Als Lieferant so gut wie aller relevanten KI-Halbleiter-Hersteller gilt TSMC als verlässliches Stimmungsbarometer für die gesamte Branche. Die Botschaft der Zahlen ist eindeutig: Die Nachfrage hält an.
Besonders auffällig war der Juni: Hier schoss der Monatsumsatz im Jahresvergleich um knapp 68 Prozent nach oben auf rund 443 Milliarden Taiwan-Dollar. Dabei ist der Juni für das Unternehmen aus Taiwan in der Regel eher ein schwacher Monat. Diesmal nicht: Die Nachfrage nach leistungsstarken KI-Chips ist geradezu unstillbar. TSMC fertigt einen Großteil der weltweit fortschrittlichsten Halbleiter und beliefert Schwergewichte wie Nvidia, Apple und AMD. Der Marktanteil wurde zuletzt auf rund 73 Prozent geschätzt.
Branchenkenner erwarten, dass allein das KI-Geschäft in diesem Jahr auf über 40 Milliarden Dollar anschwellen könnte. Das wäre knapp ein Viertel des TSMC-Gesamtumsatzes. Die Kapazitäten für die modernsten Fertigungsprozesse gelten als ausgebucht. Wer KI-taugliche Chips der neuesten Generation will, kommt kaum an TSMC vorbei.
An den Märkten wurde die Zahlenmeldung mit Erleichterung aufgenommen. Analysten sehen darin eine Bestätigung, dass die KI-Infrastruktur-Nachfrage kein vorübergehendes Phänomen ist.
JPMorgan hat das Kursziel für TSMC zuletzt deutlich von 2.500 auf 3.100 Taiwan-Dollar angehoben und bekräftigt die Kaufempfehlung. Auch aus dem Investmentumfeld werden langfristige Strukturvorteile betont: TSMC gelte neben dem europäischen Halbleiterausrüster ASML als entscheidendes Nadelöhr in der globalen Chipversorgung. Diesen Wettbewerbsvorteil holt so schnell niemand auf.
Am 16. Juli legt TSMC die vollständigen Quartalszahlen vor und dürfte dann auch den Jahresausblick aktualisieren. Anleger werden ganz genau darauf achten, welche Erwartungen das Management in Sachen KI-Nachfrage hat.
Fazit
TSMC liefert und beruhigt damit die Nerven der Investoren vor der heißen Berichtssaison. Solange der Hunger nach KI-Rechenleistung anhält, bleibt der Chipriese aus Taiwan in einer starken Position.
Enthält Material von dpa-AFX