Frankfurter Börsenbetreiber steigt erstmals direkt bei US-Kryptoplattform ein und will Geschäftsfeld deutlich ausweiten. US-Bank sieht Deutsche Börse europaweit führend aufgestellt und erhöht Gewinnprognosen.

Die Deutsche Börse macht einen großen Schritt in die Kryptowelt: Der Frankfurter Börsenbetreiber beteiligt sich für 200 Millionen Dollar an der US Kryptoplattform Kraken, mit der der DAX-Konzern bereits seit Ende 2025 kooperiert. Durch die Transaktion erhalten die Frankfurter 1,5 Prozent an der Kraken-Mutter Payward. Kraken ist eine der bekanntesten Plattformen für Kryptowährungen, auf der Digitalgeld wie Bitcoin gehandelt werden.

Für den DAX-Konzern geht es nicht nur um Handel und Verwahrung von Kryptowährungen, sondern vor allem um die Integration des Kryptosegments in das eigene Geschäftsmodell. Deutsche-Börse-Kunden sollen so Zugang zur breiten Produktpalette der Amerikaner bekommen. Umgekehrt erhält Kraken Zugang zu Angeboten der Deutschen Börse, etwa zum Devisenhandel der Tochter 360T. Kraken-Kunden könnten sich beim Verkauf von Kryptowährungen über diesen Handelsplatz Dollar, Euro oder andere Währungen besorgen.

Auch ein Vertrieb von Derivaten der Deutsche-Börse-Tochter Eurex oder tokenisierten Aktien über die Tochterplattform 360X sei vorstellbar, heißt es. Kraken wurde 2011 gegründet und zählt mittlerweile zu den ältesten und größten Kryptoplattformen weltweit. Der US-Finanzdienstleister strebt möglicherweise noch in diesem Jahr selbst an die Börse. Finanzkreisen zufolge wurde Kraken beim Deutsche-Börse-Deal mit 13 Milliarden Dollar bewertet. Bei einer Bewertung Ende November hatte Kraken noch 20 Milliarden Dollar auf die Waage gebracht.

Das US-Institut Bank of America hat die Deutsche Börse unterdessen von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 250 auf 300 Euro angehoben. Der deutsche Branchenführer sei unter den europäischen Börsenbetreibern im aktuellen Marktumfeld in verschiedenen Geschäftssegmenten und in puncto Liquidität am besten positioniert, begründete die Bank ihre Kaufempfehlung von Freitag und erhöhte gleichzeitiig die Gewinnprognosen.

Fazit

Die Deutsche Börse bietet zwar bereits über Tochterfirmen Kryptodienstleistungen an. Der Einstieg bei Kraken über eine direkte Beteiligung ist jedoch ein klares Signal der Frankfurter, das Geschäft mit Kryptowährungen deutlich auszubauen und im Geschäftsmodell zu verankern. Damit könnten sie auch zur Börse Stuttgart aufholen, die als Vorreiter im deutschen Kryptohandel gilt.

Deutsche Börse (WKN: 581005)