Die Deutsche Telekom hat sich möglicherweise selbst ins eigene Bein geschossen, die T-Aktie leidet schon darunter.
Der US-Raumfahrtkonzern SpaceX will ein Frequenzpaket übernehmen, das T-Mobile US erst im August verkauft hat. Damit könnte T-Mobile – und indirekt die Deutsche Telekom – einen künftigen Wettbewerber massiv gestärkt haben. Das Geschäft muss zwar noch genehmigt werden, doch schon die Aussicht darauf hat Investoren aufgeschreckt. Sowohl die Aktie der US-Tochter als auch die T-Aktie selbst verloren nach Bekanntgabe der Pläne von SpaceX kräftig an Wert.
Der Grund für die Nervosität: SpaceX dürfte die Frequenzen nutzen, um Starlink Mobile auszubauen und sich stärker als Mobilfunkanbieter zu positionieren. Das 800-MHz-Band ist für Mobilfunk interessant, weil niedrigere Frequenzen große Gebiete abdecken und Gebäude vergleichsweise gut durchdringen können. Anleger fragen sich deshalb, ob SpaceX künftig auch Kunden ansprechen könnte, die heute auf klassische Mobilfunknetze angewiesen sind – und ob ein neuer Wettbewerber langfristig Preise, Marktanteile und Gewinnmargen unter Druck setzt.
Und die Fequenzen kann SpaceX nur erwerben, weil sie T-Mobile US selbst vor kurzem an Grain Management verkauft hat. Dafür erhielt der Konzern 2,9 Milliarden US-Dollar sowie Frequenzlizenzen im 600-MHz-Band. Nun wird Grain die 800-MHz-Frequenzen an SpaceX weitergeben, wenn der Deal von den Aufsichtsbehörden genehmigt werden sollte. SpaceX-Chef Elon Musk bezeichnete den Erwerb auf X als „letzten entscheidenden Baustein im Frequenzpuzzle“, der für eine vollständige Mobilfunkabdeckung in den USA noch gefehlt habe.
T-Mobile US ist der wichtigste Ergebnistreiber der Deutschen Telekom. Entsprechend wirken sich Wachstum, Wettbewerb und mögliche Marktanteilsverluste in den USA unmittelbar auf die Geschäftszahlen und den strategischen Spielraum des Bonner Konzerns aus.
Fazit
Ob es sich wirklich um ein Eigentor der Telelekom handelt, bleibt abzuwarten. T-Mobile erhielt eine erhebliche Zahlung und neue Frequenzlizenzen. Zudem ist SpaceX’ Übernahme noch genehmigungspflichtig, und es bleibt abzuwarten, wie schnell und erfolgreich Starlink Mobile zu einem ernsthaften Mobilfunkkonkurrenten wird. Aber es besteht das Risiko, dass SpaceX sich zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber entwickelt.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Deutsche Telekom