Die Investmentgesellschaft von Starinvestor Warren Buffett erwägt offenbar, komplett beim Lebensmittelkonzern Kraft Heinz auszusteigen. Ein Grund dafür dürfte auch dessen strategische Neuausrichtung sein. Anleger reagieren verunsichert, die Nachricht sorgt bei der Aktie heute für Verluste
2015 orchestrierte Börsenlegende Warren Buffett zusammen mit der Investmentfirma 3G Capital den Zusammenschluss von Kraft Foods und Heinz zum Konzern Kraft Heinz. Seither ging es mit dem Kurs jedoch kräftig ab. Nun könnte Buffett beziehungsweise sein Nachfolger die Reißleine ziehen.
Wie Kraft Heinz mitteilte, hat der Konzern einen Prospektnachtrag bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Anlass dafür: Die Meldung eines potenziellen Verkaufs von bis zu 325,44 Millionen Anteilen durch einen veräußernden Aktionär. Der Blick auf die Aktionärsstruktur zeigt: Die Aktienzahl entspricht nahezu der gesamten Position von Berkshire Hathaway, der Investmentgesellschaft von Buffett. Diese ist mit einem Anteil von 27,5 Prozent der größte Anteilseigner von Kraft Heinz und der einzige Aktionär mit einer so hohen Aktienanzahl.
Kraft Heinz teilte mit, der Prospektnachtrag stelle keinen Verkauf dar und bedeute auch nicht, dass sich der Anteilseigner für einen solchen Schritt entscheiden wird. Dass Berkshire mit dem Investment unzufriedener geworden ist, ist allerdings bekannt und nicht nur der schlechten Wertentwicklung geschuldet.
Kraft Heinz spaltet sich auf
Im vergangenen Jahr kündigte der Konzern an, strategische Möglichkeiten abzuwägen. Im September gab Kraft Heinz dann bekannt, sich in zwei Börsenkonzerne aufspalten zu wollen. Der Schritt soll helfen, Ressourcen besser zu nutzen, Komplexität zu reduzieren und die Effizienz zu steigern. Den Abschluss der Transaktion erwartet der Konzern für die diesjährige zweite Jahreshälfte.
Ein Konzernteil soll künftig die weltweiten Geschäfte mit Produkten wie Saucen, Aufstrichen und Gewürzen beinhalten. Im Geschäftsjahr 2024 entfielen auf den Geschäftsbereich Umsätze von 15,4 Milliarden Dollar und ein bereinigtes Ebitda von etwa vier Milliarden Dollar. Im anderen Teil werden die nordamerikanischen Marken für Grundnahrungsmittel gebündelt. Dazu zählen Oscar Mayer (Fleisch- und Aufschnitt), Kraft Singles (Schmelzkäseprodukte) and Lunchables (unter anderem verzehrfertige Sandwiches). Das Geschäft setzte 2024 etwa 10,4 Milliarden Dollar um und erzielte ein bereinigtes Ebitda von rund 2,3 Milliarden Dollar.
Buffett enttäuscht, Abel am Ruder
Großaktionär Buffett steht der Aufspaltung allerdings skeptisch gegenüber und zeigte sich nach der Ankündigung „enttäuscht“, da der Schritt die grundlegenden Probleme nicht löse.
Zum Jahreswechsel übergab der 95-Jährige den Chefposten von Berkshire Hathaway an Greg Abel, ist aber weiterhin im Konzern tätig. Entsprechend dürfte bei der Entscheidung für eine Trennung von der Position Buffetts Meinung ein hohes Gewicht haben.
Aktie gibt ab
Investoren zeigten sich heute verunsichert bezüglich der Meldungen über den potenziellen Ausstieg von Berkshire Hathaway. Die Papiere von Kraft Heinz verlieren rund fünf Prozent. Die geplante Aufspaltung sorgte nicht nachhaltig für Kursfantasie, stattdessen überwiegen weiter Faktoren wie die rückläufigen Umsätze. Auf Sicht eines Jahres büßte die Aktie rund ein Drittel ihres Werts ein.
Fazit
Dass Berkshire Hathaway angesichts der strategischen Uneinigkeit und der schlechten Kursentwicklung die Reißleine zieht, scheint trotz des langfristigen Investitionsansatzes durchaus denkbar. Ob die Aufspaltung am Ende Wert schafft, bleibt abzuwarten, zumal Einzelheiten wie die Verteilung der Schulden noch offen sind.
Da viele Anleger die Aktivitäten von Buffett beziehungsweise Berkshire Hathaway genau verfolgen, drohen weitere Kursverluste, sollte sich der komplette Ausstieg bestätigen. Zudem könnte ein solcher Entschluss am Markt auch die Zuversicht für einen Turnaround bei Kraft Heinz dämpfen.