Der Spezialist für Antriebssysteme liefert starke Ergebnisse ab und erhöht auch seine Ambitionen für die kommenden Jahre. Dazu wollen die Briten Milliarden für den Rückkauf eigener Aktien in die Hand nehmen. Investoren reagieren begeistert, der Aktienkurs fliegt auf ein neues Rekordniveau.
Der Antriebs-Spezialist blickt auf erfolgreiche Monate zurück: Im abgelaufenen Jahr setzte Rolls-Royce rund 20 Milliarden Pfund (etwa 23 Milliarden Euro) um, zum vorangegangenen Berichtszeitraum ein Anstieg um etwas mehr als zwölf Prozent. Damit übertrafen die Briten die Konsensschätzung der Analysten.
Stärkere Zuwächse gab es im Segment der zivilen Luftfahrt. Hier produziert der Konzern vor allem Triebwerke von Passagiermaschinen wie dem Airbus A330neo, dem Boeing 787 Dreamliner oder auch von Jets für Geschäftsreisen. Auch der Bereich Power Systems wuchs zweistellig. Dieser umfasst zahlreiche Aktivitäten, von Antrieben für Schiffe und Panzer über Batteriespeicher bis zu Energieversorgung für Rechenzentren.
Hinzu kommt das Defence-Segment, wo Rolls-Royce beispielsweise Antriebe für Flugzeuge und Schiffe oder Nuklearreaktoren für britische U-Boote offeriert. Im Verteidigungsbereich stand beim Jahresumsatz ein Plus von acht Prozent.
Gewinn zieht an
Konzernweit stieg der operative Gewinn um rund 40 Prozent auf etwa 3,5 Milliarden Pfund und fiel damit höher aus als erwartet. Die entsprechende Marge weitete der Konzern von 13,8 auf 17,3 Prozent aus. Auch hier wurde der Aufschwung von der zivilen Luftfahrt sowie Power Systems getragen. Unter dem Strich rückte der Nettoüberschuss um 37 Prozent vor. Dazu kletterte auch der freie Cashflow kräftig auf 3,27 Milliarden Pfund.
„Wir erzielen kontinuierlich Ergebnisse, die vor unserer Transformation nicht denkbar waren“, zeigte sich Konzernchef Tufan Erginbilgic zufrieden. Im Rahmen eines mehrjährigen Transformationsprogramms setzt Rolls-Royce unter anderem auf einen stärkeren Fokus auf das Kerngeschäft, baut beispielsweise Kapazitäten für Wartung, Reparatur und Überholung aus. Dazu setzen die Briten auf Partnerschaften sowie Maßnahmen wie Effizienzsteigerungen.
Dies soll sich weiter auszahlen: Für das laufende Jahr strebt Rolls-Royce einen Anstieg des operativen Gewinns auf vier bis 4,2 Milliarden Pfund an. Analysten hatten hier im Schnitt 3,6 Milliarden Pfund auf dem Zettel gehabt. Dazu soll der freie Cashflow bei mindestens 3,6 Milliarden Pfund liegen, ebenfalls über den Erwartungen.
Ambitioniertere Ziele
Daneben schrauben die Briten ihre Mittelfristziele rauf: 2028 soll nun ein operativer Gewinn zwischen 4,9 und 5,2 Milliarden Pfund erreicht werden. Die bisherige Prognose für 2028, hier 3,6 bis 3,9 Milliarden Pfund zu verbuchen, wird Rolls-Royce wohl bereits zwei Jahre früher erreichen. Auch das Margenziel steigt entsprechend.
Zusätzlich traut sich der Konzern für 2028 einen freien Cashflow von mindestens fünf Milliarden Pfund zu, die bisherigen Ambitionen sahen bis zu 4,5 Milliarden Pfund vor.
Milliarden für Rückkäufe
Obendrein wird mehr Geld für Aktienrückkäufe in die Hand genommen: Nachdem Rolls-Royce im abgelaufenen Jahr eigene Papiere für eine Milliarde Pfund erwarb, werden es heuer 2,5 Milliarden Pfund sein. Bis 2028 wollen die Briten eigene Aktien für sieben bis neun Milliarden Pfund zurückkaufen, umgerechnet bis zu 10,3 Milliarden Euro.
Aktie auf Allzeithoch
Bei den Investoren kamen Zahlen, Ausblick, Mittelfristziele und Aktienrückkauf gut an, das Papier gewinnt heute rund vier Prozent und notiert auf Allzeithoch. Innerhalb eines Jahres hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Damit setzt sich der imposante Höhenflug der Aktie fort: Seit Tufan Erginbilgic Anfang 2023 im Chefsessel Platz nahm, verteuerten sich die Anteilsscheine um über 1.400 Prozent.
Nach den Herausforderungen der Corona-Pandemie übernahm Erginbilgic nach eigener Aussage eine "brennende Plattform", schaffte seither operativ und bei der Aktie einen enormen Aufschwung. Neben operativen Verbesserungen und höheren Zielen trugen dazu unter anderem auch der Abbau der milliardenschweren Nettoverschuldung oder die Rückkehr zur Dividende bei.
Fazit
Das Geschäft läuft bei Rolls-Royce. Die Nachfrage nach Triebwerken scheint gut, dazu bedienen die Briten mit Rüstung oder Energieversorgung wachsende Bereiche. Nach starkem Lauf ist die Bewertung der Aktie nicht günstig: Für das laufende Jahr erwarten Analysten aktuell im Schnitt einen Nettogewinn von 38 Euro-Cent je Papier, was ein KGV von über 40 impliziert. Gleichwohl könnten die Gewinnschätzungen nach den heute kommunizierten Zielen steigen. Dazu kauft der Konzern weiter Aktien zurück, was das Gewinn-Multiple rechnerisch reduziert.
Das Papier hat Momentum, dazu stimmen die Aussichten. Investierte Anleger bleiben dabei, risikoaverse Anleger warten einen Rücksetzer ab.