Die EU will mehr in Kernenergie investieren. Davon könnte der britische Luftfahrt- und Energietechnik-Konzern Rolls-Royce plc profitieren – zusammen mit seinem deutschen Kooperationspartner Siemens Energy.

In der EU-Kommission konkretisieren sich Pläne für einen Ausbau der Atomenergie. Diese Überlegungen waren auch Thema der März-Ausgabe des Ökonomen-Barometers von €uro am Sonntag, einer exklusiven Umfrage unter führenden deutschen Volkswirten. Die Teilnehmer sprachen sich dabei mehrheitlich für Atomausbau und stärkere Investitionsanreize aus, von denen auch Firmen wie Rolls-Royce plc und Siemens Energy profitieren könnten. 55 Prozent der Teilnehmer der Ökonomen-Barometer-Umfrage unterstützen die EU-Pläne, knapp 32 Prozent äußerten sich ablehnend.

Dabei wurde das Thema kontrovers diskutiert. Befürworter nannten als Hauptargument mehrfach, dass „ohne Atomenergie die Klimaschutzziele nicht erreicht werden können“, wie es Friedrich Breyer von der Uni Konstanz formulierte. Laut RWI- Experte Boris Augurzky ist „Atomenergie klimaneutral und sollte daher Teil eines klimaneutralen Energiemixes sein“. Friedrich Heinemann vom Forschungsinstitut ZEW zufolge ist es „völlig angemessen, innovative Ansätze in der Atomenergie zumindest in der Forschung massiv zu fördern“.

Die Gegner verwiesen dagegen in ihren Beiträgen insbesondere auf die Kosten: „Atomenergie ist eine Übergangstechnologie und dafür viel zu teuer“, sagte Erwin Amann von der Uni Duisburg-Essen. Auch Andreas Ziegler von der Uni Kassel lehnt ab. „Atomenergie steht für hohe Kosten, ungelöste Endlagerprobleme und erhebliche Risiken. Eine moderne Energiepolitik sollte unbedingt auf erneuerbare Energien setzen statt auf eine teure Technologie von gestern.“

Anlass für das Umfragethema von €uro am Sonntag waren Äußerungen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die sich kürzlich auf einem Energiegipfel in Paris von der europäischen Atomenergiepolitik der vergangenen Jahre abgegrenzt hatte. „Ich glaube, dass es für Europa ein strategischer Fehler war, einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken zu kehren“, sagte von der Leyen.

Falls die EU in Zukunft wieder mehr in Kernenergie investieren sollte, stehen vor allem sogenannte Mini-Atomkraftwerke (Small Modular Reactors, SMR) im Fokus. Diese Technologie soll als Ergänzung zur Energieversorgung bis Anfang der 2030er-Jahre einsatzbereit sein, sagte von der Leyen. Ziel sei es, die Investitionsbedingungen in der europäischen Kernenergieindustrie zu verbessern. Die Kommissionspräsidentin kündigte dafür neue Finanzhilfen an.

Fazit

Der britische Luftfahrt- und Energietechnikkonzern Rolls-Royce entwickelt derartige kleine, modulare Kernreaktoren (SMR), die standardmäßig konzipiert sind, um Bauzeit und Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Reaktoren deutlich zu reduzieren. Anfang 2025 hatte Rolls-Royce dazu eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Energietechnikkonzern Siemens Energy vereinbart. Siemens Energy liefert in dieser Kooperation Dampfturbinen und Generatoren für den nichtnuklearen Bereich. Auch sonst läuft es bei Rolls-Royce rund: Zahlen und Ausblick waren zuletzt besser als erwartet ausgefallen. Der Konzern hat seinen Börsenwert innerhalb von drei Jahren fast verzehnfacht. Die Briten sind weiterhin gut im Markt positioniert. Die Aktie bleibt aussichtsreich.

Rolls-Royce (WKN: A1H81L)