Die UBS sieht das vor allem als Zulieferer für die Automobil-Industrie bekannte Unternehmen in etwas besserem Licht: Die Schweizer Großbank stuft Schaeffler von „Verkaufen" auf „Neutral" hoch und erhöht das Kursziel von 7,10 auf 8,10 Euro. Aktuelle Zahlen stützen den vorsichtigen Optimismus für den MDAX-Wert.
Nach der Kurskorrektur seit dem Januar-Hoch sei die Bewertung nun fairer, so die Experten der UBS. Die Risiken im Kerngeschäft seien eingepreist, das Potenzial in neuen Bereichen werde sichtbarer.
Auf einer Analystenkonferenz Mitte der Woche gab Schaeffler unterdessen einen ersten Einblick ins zweite Quartal: Die bereinigte operative Marge liegt über dem Vorjahreswert von 3,5 Prozent und nähert sich der Mitte der eigenen Jahresprognose von 3,5 bis 5,5 Prozent. Der Umsatz blieb stabil bei knapp 5,9 Milliarden Euro, der freie Cashflow fiel moderat negativ aus. Dies lag vor allem an Restrukturierungs- und Integrationsausgaben im Zusammenhang mit der Vitesco-Übernahme 2024. An der Cashflow-Prognose für das Gesamtjahr von 100 bis 300 Millionen Euro halten die Franken fest.
Beim Blick auf die einzelnen Sparten zeigt sich, dass das Industrielager-Geschäft besser als geplant läuft. Die Marge dürfte im zweiten Quartal am oberen Ende der Zielspanne gelegen haben. Die E-Mobility-Sparte hat indes weiter zu kämpfen, vor allem in den USA und China, entwickelt sich aber nach Plan.
Die schwierige Lage deutscher Autohersteller wie Volkswagen, ist kein Geheimnis, ebenso wenig wie die Tatsache, dass Zulieferer wie Schaeffler sich der Autokrise schwer entziehen können. Doch der Konzern aus Herzogenaurach zieht seine Konsequenzen und bemüht sich um ein diversifizierteres Geschäftsmodell. So setzt die Firma dabei auf Rüstung, Roboter und Satelliten. Etwa will Schaeffler in Partnerschaft mit dem US-Satellitenbetreiber Spire Global bis 2030 ein europäisches Raumfahrtgeschäft mit angestrebten 250 Millionen Euro Umsatz aufbauen.
Der Weg dorthin dürfte nicht ohne Hindernisse verlaufen. Schwache Margen und operative Anlaufschwierigkeiten gehören bei solchen Transformationen zum Geschäft. Mittel- bis langfristig ist die Richtung aber klar: Bis 2035 sollen die neuen Geschäftsfelder rund zehn Prozent zu einem dann deutlich gewachsenen Gesamtumsatz von geschätzten 35 Milliarden Euro beisteuern. Erste Erfolge zeigen sich bereits: In einer Investorenkonferenz hieß es, man gewinne im Humanoiden-Robotik-Geschäft spürbar an Fahrt: Auf der größten KI-Messe in Paris war der Schaeffler-Stand nach eigenen Angaben der meistbesuchte, trotz starker Konkurrenz. Zudem habe man im zweiten Quartal planmäßig mit der Serienproduktion von Komponenten für humanoide Roboter begonnen.
Trotz aller Turbulenzen hat die Schaeffler-Aktie auf Jahressicht etwa 70 Prozent gewonnen.
Fazit
Schaeffler behauptet sich operativ in einem schwierigen Marktumfeld. Der Umbau vom Autozulieferer zum Technologiekonzern nimmt Formen an, wird allerdings einige Zeit dauern. Mehr Details dürfte es am 5. August geben, wenn Schaeffler das Zahlenwerk zum zweiten Quartal vorlegt.
Enthält Material von dpa-AFX