Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen macht ernst und zieht für die Deutsche Telekom den Stecker. Von Juli an haben hunderttausende Wohneinheiten der Bochumer die Möglichkeit, das Kabel-Glasfasernetz von Vodafone zu nutzen. Über einen derartigen Schritt wurde in der Branche bereits seit Längerem spekuliert.

Von insgesamt rund 120.000 Wohnungen ist in den Pressemitteilungen von Vodafone und Vonovia am Montag die Rede. Ab Juli haben deren Mieter die Möglichkeit neben TV-Versorgung auch ihren Internet-Zugang von den Düsseldorfern zu beziehen. Damit vollzieht der Bochumer Wohnungskonzern einen Schritt, über den Branchekreise schon länger munkelten: Bei der Versorgung mit TV-Kabel weg von mehreren, hin zu einem Anbieter.

Inwieweit der Schritt auch mit Versäumnissen der Deutschen Telekom zusammenhängt, ist nicht bekannt. Als die Bonner zwischen 2011 und 2013 Unitymedia, die heute zu Vodafone gehört, den Großauftrag der Deutschen Annington, die 2015 in der Vonovia aufging, abjagte, war unter anderem vereinbart worden, dass die Mietwohnungen an Glasfaserleitungen angeschlossen werden. Umsetzt wurde diese Zusage jedoch nur selten, in den meisten Wohnungen sind nach wie vor Kupfer- und Koaxial-Leitungen verlegt. Ob Vodafone eine ähnliche Verpflichtung eingegangen ist, dazu gibt es keine Angaben.

Vonovia (WKN: A1ML7J)

Wirklich profitieren können die Vodafone-Papiere von dem Deal nicht. Der Kurssprung am Montag zu Handelsbeginn verpuffte rasch und am frühen Nachmittag notieren die Papiere auf der Handelsplattform Xetra in etwa auf dem Niveau des Schlusskurses vom Freitag. Währenddessen schickt sich die T-Aktie an, den fünften Verlusttag in Folge einzufahren. Zur Stunde wird sie mit einem Abschlag von 0,3 Prozent gehandelt.

Für die Aktionäre von Vonovia hat sich die Dynamik in Folge der US-Inflationsdaten vor eineinhalb Wochen als Bullenfalle entpuppt. Die Papiere, die vergangenen Freitag im Xetra-Handel wieder unter die Marke von 28 Euro gerutscht waren, stehen auch am Montag unter Druck. Aktuell beläuft sich das Minus auf 0,5 Prozent.

Fazit

Die Versorgungsvereinbarung mit Vonovia ist ohne Frage ein Achtungserfolg für Vodafone. Allerdings reicht dieser nicht aus, um die Stimmung an der Börse zu drehen: Auf Sicht von zwölf Monaten steht weiterhin in Abschlag von fast sechs Prozent zu Buche. Auch bei der Telekom hat sich das Chartbild seit dem 52-Wochen-Hoch Ende Januar deutlich eingetrübt. Zuletzt rutschte der Kurs gar unter die 50-Tage-Linie. Die Vonovia-Aktie bleibt ein Spielball der Zinserwartungen. Sollte die EZB tatsächlich kommende Woche eine erste Senkung beschließen, dürfte das den Papieren Auftrieb verleihen.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Deutsche Telekom.
Der Vorstand der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Leon Müller, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Deutsche Telekom, Vonovia.