Ölpreis legt am Montag deutlich zu, Goldpreis steigt auf 5400 Dollar. JP Morgan empfiehlt, jetzt auf Unternehmen mit hohem Ölpreis-Hebel zu setzen. Chemie und Luftfahrt unter Druck. Hersteller von Luftabwehrsystemen ziehen kräftig an.
Der deutsche Leitindex DAX verlor zum Handelsauftakt 2,3 Prozent. Aktien von Lufthansa, TUI und Chemiewerte wie BASF geraten besonders unter Druck. Am Ölmarkt blieb eine Panik aus, obwohl der Iran den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus eingeschränkt hat. "Die Eskalation im Iran bietet Aktien eigentlich eine Steilvorlage für eine scharfe Korrektur", analysierte Consorsbank-Chefmarktanalyst Jochen Stanzl zum Handelsauftakt die Lage. "Der Abverkauf verläuft jedoch diszipliniert. Das ist wohl die wichtigste Erkenntnis an diesem Montag."
Gegenüber €uro am Sonntag erläuterte IG-Chefmarktanalyst Christian Henke, welche Sektoren für Anleger jetzt besonders im Fokus stehen.
"Sektoren bzw. Aktien, die am Montag unter Druck geraten:
Luftfahrt & Tourismus: Infolge der stark anziehenden Ölpreise sowie der Sperrung der Lufträume in der Krisenregion werden Airlines wie Lufthansa, Air France-KLM und Delta erst einmal zu den Verlierern gehören
Technologie (Nasdaq): Bereits im IG Wochenendhandel werden zum Wochenauftakt deutlich höhere Energiepreise erwartet. Dies könnte die Inflation wieder anheizen. Und diese Aussicht mögen die Big Tech-Aktie wie NVIDIA, Apple und Microsoft nicht
Zyklische Konsumwerte: Aktien von Konzernen, die auf stabile Lieferketten angewiesen sind, könnten ebenfalls unter Druck geraten.
Logistik & Schifffahrt: Mögliche Störungen in der Straße von Hormus könnten die Kosten und Risiken für globale Reedereien erhöhen"
"Sektoren bzw. Aktien, die am Montag gefragt sind:
Rüstung: Profiteure können Rüstungsaktien wie Rheinmetall, Hensoldt, Lockheed Martin und Northrop Grumman.
Öl & Gas: Ebenfalls zu nennen sind die internationalen Ölaktien. Vom steigenden Ölpreis profitieren die Konzerne wie beispielsweise Shell, BP, TotalEnergies & Co.
Goldminenaktien: Anleger suchen sichere Häfen wie Gold. Das spricht für Goldminenaktien wie beispielsweise Newmont Mining, Kinross Gold und Barrick Gold"
Die Aktien von Exxon Mobil, Shell und BP starteten am Montag mit Kursgewinnen zwischen fünf und sieben Prozent im Plus. Für Lufthansa und TUI ging es dagegen abwärts. Chemiewerte wie BASF, Evonik, Wacker und Lanxess stehen ebenfalls unter Druck wegen steigender Öl- und Gaspreise. Rüstungswerte wie Rheinmetall, Hensoldt, Renk und TKMS legten dagegen teilweise kräftig zu. Laut Citigroup dürften insbesondere die Hersteller von Raketenabwehrsystemen wie Rheinmetall und Hensoldt zulegen. Größter Profiteur der Lage sei jedoch BAe Systems mit einem US-Rüstungsanteil von 50 Prozent.
Die US-Bank JPMorgan hat unterdessen das Kursziel für BP wegen der Eskalation im Nahen Osten von 500 auf 520 Pence angehoben, die Einstufung blieb auf "Neutral". Anleger sollten im Energiebereich insbesondere auf Unternehmen mit hohem Ölpreis-Hebel setzen, etwa Eni, Shell, Totalenergies und Galp, hieß es bei JP Morgan.
Fazit
Die Lage in Nahost birgt größeres Eskalationspotenzial als die US-Intervention in Venezuela. Die Dauer des Konflikts ist entscheidend für die Verluste an den Märkten. Henkes Empfehlung für Anleger: "Falls die Militäroperationen länger andauern oder gar ein Flächenbrand in der Region ausbricht, drohen weitere und vor allem noch höhere Verluste. Es wäre ratsam, erst einmal den Montag abzuwarten. Aktien aus den besonders betroffenen Sektoren sollten genau beobachtet werden."