Gestern war es noch ein Gerücht, heute dann die Bestätigung: Die RAG-Stiftung, die seit 2007 mit der Abwicklung des subventionierten deutschen Steinkohlebergbaus betraut ist, senkt ihre Beteiligung an Evonik weiter und verkauft Aktien des Spezialchemiekonzerns. Der Titel verliert heute Vormittag auf Xetra zwischenzeitlich über vier Prozent.

Mit dem Geld aus dem Verkauf der Aktien will die RAG-Stiftung ihr Portfolio weiter diversifizieren. Man sehe dafür im aktuellen Marktumfeld gute Chancen, hieß es. Nach dem Anteilsverkauf ist RAG noch mit rund 47 Prozent an Evonik beteiligt. Die Stiftung hat damit einen guten Zeitpunkt erwischt: Am Mittwoch hatte die Evonik-Aktie mit gut 20 Euro so viel gekostet wie seit einem Jahr nicht mehr. 

Silberstreif zeigt sich

Der Titel dürfte zuletzt auch davon profitiert haben, dass es in der heimischen Chemie- und Pharmabranche wieder etwas besser zu laufen scheint. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) sieht „erste Lichtblicke“, wie gestern gemeldet wurde. Demnach steigerten die Hersteller im ersten Quartal ihre Produktion wieder und konnten auch mehr umsetzen. Grund dafür seien eine gestiegene Nachfrage im außereuropäischen Ausland und leere Lager in den Kundenindustrien, die zu einem erhöhten Auftragseingang führten, hieß es laut Mitteilung.

Lage bleibt fragil

Für das Gesamtjahr rechnet der Branchenverband damit, dass die Produktion um 3,5 Prozent zulegen dürfte, während beim Umsatz ein Plus von 1,5 Prozent erwartet wird. Allerdings warnte der VCI, dass die Auftragslage insgesamt schwach bleibe, vor allem im Inland, und bezeichnete die Lage als fragil. 

„Deutschland ist und bleibt als Wirtschaftsstandort zu teuer und daran kann nur die Politik etwas ändern“, monierte Verbandspräsident Markus Steilemann.

Unterdessen zeigte sich Evonik zuversichtlich, im zweiten Quartal ein operatives Ergebnis auf dem Niveau des ersten Jahresviertels zu erreichen. Von Januar bis März hatte der Spezialchemiekonzern das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf rund 522 Millionen Euro gesteigert, was gegenüber dem Vorjahresquartal einem Plus von 28 Prozent entspricht. Auch die Sparmaßnahmen trugen Früchte.

Evonik Industries (WKN: EVNK01)

Fazit

Der RAG-Ausstieg setzt dem Höhenflug der Evonik-Aktie ein vorläufiges Ende. Seit Jahresstart steht dennoch ein Plus von gut acht Prozent bei dem dividendenstarken MDAX-Titel zu Buche.