Was könnte der Iran-Krieg in den Bilanzen der DAX- und MDAX-Konzerne anrichten? JP Morgan hat sich den Chemiesektor vorgenommen und rechnet selbst unter günstigen Annahmen mit gravierenden Folgen. Unterdessen hat Evonik am Mittwoch seine Jahresprognosen bestätigt.
Mehr als zehn Prozent hat die Evonik-Aktie seit Ausbruch des Iran-Krieges Anfang der Woche verloren. Angesichts des rasanten Anstiegs der Öl- und Gaspreise könnten vor allem auf die deutschen Chemiekonzerne enorme Kostenbelastungen zukommen. Mit Verlusten von rund sechs Prozent reagierte die BASF-Aktie seit Montag vergleichsweise moderat. Lanxess büßte mehr als zwölf Prozent ein, Wacker neun Prozent.
Die US-Bank JP Morgan hat die Lage der deutschen Chemiebranche in Bezug auf die Sensibilität für die Öl- und Gaspreise analysiert und dabei verschiedene Szenarien aufgestellt. Bei weiter steigenden Energiekosten müssten die Konzerne demzufolge ihre Verkaufspreise in den kommenden Monaten eigentlich anheben, was aber angesichts der Überkapazitäten in der Branche und starkem Konkurrenzdruck schwierig sei.
Den stärksten Kostengegenwind sieht JP Morgan bei Lanxess, BASF, Wacker – und bei Evonik. In einem konservativen Szenario - die Energiepreise bleiben auf dem erreichten Niveau und die Steigerungen würden nur zur Hälfte weitergereicht – müssten diese Konzerne „ihre operativen Ergebnisse 2027 um 15 bis 25 Prozent nach unten korrigieren“, wie die Nachrichtenagentur dpa-afx aus der Analyse zitiert.
Evonik hat am Mittwochmorgen seine vorläufigen Jahreszahlen für 2025 bestätigt und den Ausblick auf 2026 bekräftig. Demnach liegt das Vorsteuerergebnis 2025 bei 1,87 Milliarden Euro und soll 2026 zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro liegen. Lediglich der Umsatzausblick für 2026 wurde etwas gesenkt. Zu möglichen Folgen des Irak-Kriegs und der Preisanstiege bei Öl und Gas wurden in der Unternehmensmitteilung keine Angaben gemacht. Auf die Zahlen reagierte die Aktie am Mittwoch auf Tradegate zunächst mit Kursgewinnen.
Fazit
Noch vor Kurzem hatte Goldman Sachs den deutschen Chemiesektor deutlich optimistischer eingeschätzt. Die Evonik-Aktie wurde dabei von „Verkaufen“ auf „Kaufen“ hochgestuft und als Turnaround-Wette empfohlen. Eine aktualisierte Einschätzung von Goldman Sachs liegt noch nicht vor. JP Morgan hat für Evonik allerdings seine Halten-Empfehlung bestätigt und BASF sowie Lanxess auf Verkaufen eingestuft.