Um gut fünf Prozent legen heute die Papiere des Linzer Technologie-Spezialsten zu. Auslöser war die Meldung, dass Großaktionär Ennoconn bei Kontron die 30-Prozent-Schwelle überschritten hat und den Aktionären nun ein Pflichtangebot vorlegen muss.
Die Firma aus Taiwan will 23,50 Euro je Aktie zahlen, was einem Aufschlag von etwa vier Prozent auf den Schlusskurs des Vortages entspricht. Ennoconn bietet damit kaum mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis von 23,48 Euro. Insgesamt wird Kontron damit mit rund 1,47 Milliarden Euro bewertet.
Ennoconn, auch bekannt als Hon Hai Technology, ist eine Tochter des taiwanischen Elektronikgiganten Foxconn, der sich als Auftragsfertiger für Apple einen Namen gemacht hat. Die Firma hatte ihren Anteil über Monate hinweg schrittweise aufgestockt.
Anfang Mai hatte Kontron seine Investoren informiert, dass es möglicherweise zu einem Übernahmeangebot kommen könnte. Damals hielt die Foxconn-Tochter bereits knapp 28 Prozent, somit was das Pflichtangebot nur noch eine Frage der Zeit.
Kontron stoppte das laufende Aktienrückkaufprogramm bis auf Weiteres und prüft nun das Angebot. Firmenchef Hannes Niederhauser, der rund 2,2 Prozent der Kontron-Aktien hält, erklärte bereits, dass er es nicht annehmen wird.
Die Österreicher, die auf Technologielösungen für Industrieanwendungen spezialisiert sind, hatten Anfang Mai ein verhaltenes Umsatzplus von 1,7 Prozent auf 363,7 Millionen Euro für das erste Quartal gemeldet. Der Ausblick für 2026 - der Betriebsgewinn soll 225 Millionen Euro erreichen - wurde bestätigt, wirkt aber wenig ambitioniert. Zukäufe sind erst einmal vom Tisch.
Warburg Research bekräftigte derweil die Kaufempfehlung und hält am Kursziel von 28,50 Euro fest. Kaum ein Aktionär dürfte das Angebot akzeptieren, so die Experten, es bilde aber zunächst einen Boden für den Titel. Die DZ Bank geht davon aus, dass Ennoconn nachbessern muss.
Fazit
Das Pflichtangebot dürfte Anleger kaum vom Hocker reißen. Sollte es der Großaktionär tatsächlich ernst meinen, müsste er deutlich mehr bieten. Läuft das Pflichtangebot allerdings aus, ohne dass Aktionäre darauf anspringen, rückt wieder die operativ wenig überzeugende Performance von Kontron in den Fokus. Dann könnte der Kurs auch wieder unter das Angebotsniveau sinken.
Enthält Material von dpa-AFX