Die größte italienische Bank Intesa will die Traditionsbank MPS für 30,6 Milliarden Euro übernehmen. Damit fährt sie auch der Mailänder Großbank Unicredit in die Parade, die gerade die Commerzbank-Übernahme vorantreibt.

Die italienische Großbank Intesa Sanpaolo hat für den heimischen Konkurrenten Monte dei Paschi di Siena (MPS) ein Übernahmeangebot im Umfang von über 30 Milliarden Euro abgegeben. Den Monte-Paschi-Aktionären werden ein Euro in bar sowie 1,6 eigene Aktien geboten, teilte Intesa am Montag in Turin mit. Damit werde eine Monte-Paschi-Aktie mit etwas mehr als zehn Euro bewertet. Die MPS-Aktie kletterte am Montag um zehn Prozent auf 9,80 Euro. Die Intesa-Aktie verlor dagegen rund vier Prozent.

Damit kontert die Intesa einen Vorstoß der Mailänder Großbank Banco BPM vom Wochenende, die ebenfalls ihr Interesse an MPS erklärt hatte, ohne allerdings eine offizielle Übernahmeofferte vorzulegen. Sie hatte lediglich mitgeteilt, dass die fusionierte Bank auf einen kombinierte Marktwert von mehr als 50 Milliarden Euro kommen soll. BPM hat einen Börsenwert von 20 Milliarden Euro, Intesa von rund 100 Milliarden Euro. 

Unicredit will nicht nur die Commerzbank, sondern auch BPM

Doch was bedeutet der entbrannte Übernahmekampf im italienischen Bankenmarkt für die Mailänder Großbank Unicredit, die gerade die Commerzbank übernehmen will? Einfacher wird es für Unicredit jedenfalls nicht, denn sie will auch auf dem italienischen Bankenmarkt Marktanteile gewinnen und hat ein Übernahmeangebot für BPM vorgelegt. „Der BPM-Deal ist ein rein inländischer strategischer Gegenschlag im italienischen Bankenmarkt; das kann dazu führen, dass UniCredit kurzfristig mehr Italien-Fokus hat und die Commerzbank-Frage in den Hintergrund drückt“, heißt es in Finanzkreisen.

Fazit

Unicredit wird die Commerzbank-Übernahme wegen eines möglichen Intesa-MPS-Deals nicht abblasen. Aber für Unicredit nähme die Konkurrenz auf dem Heimatmarkt zu. UniCredit müsste sich deshalb stärker mit der eigenen Italien-Position befassen, während der Commerzbank-Deal weiter politisch und regulatorisch heikel ist. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Unicredit nun langsamer und selektiver vorgeht. Doch faktisch wird Unicredit die Commerzbank-Übernahme kaum stoppen - dafür ist sie mit einer Beteiligungsquote von direkt 34,4 Prozent und indirekt nahe 50 Prozent schon zu weit.



Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.