Die Novo-Nordisk-Aktie startet mit einem Kurssprung in die Börsenwoche: Im frühen Handel können die Papiere des dänischen Pharmakonzerns um bis zu sechs Prozent zulegen. Der Grund: In den USA macht Him & Hers einen Rückzieher. Der Telemedizin-Anbieter will seine preiswerte Nachbau-Variante der Wegovy-Abnehmpille nicht mehr vermarkten.
Die US-Firma hatte das Präparat zur Gewichtsreduktion, ein so genanntes Compound, eigentlich für 49 Dollar im ersten Monat anbieten wollen. Das Original von Novo Nordisk, eine Variante der erfolgreichen Abnehmspritze Wegovy, kostet Selbstzahler in den USA zum Start etwa das Dreifache. Novo Nordisk hatte daraufhin mit rechtlichen Schritten gedroht.
Kurz darauf wurden auch die US-Behörden deutlich: Die Zulassungsbehörde FDA kündigte an, gegen die massenhafte Vermarktung nicht zugelassener Nachbau-Präparate vorzugehen. „Compounded Drugs“ sind in der Regel nicht identisch mit dem zugelassenen Original und haben nicht denselben umfassenden Zulassungsprozess sowie die umfangreichen klinischen Studien hinter sich.
Hims & Hers begründete den Rückzug damit, dass man mit diversen Interessengruppen der Branche gesprochen und im Anschluss diese Entscheidung getroffen habe. Die Firma betonte, man handle im Interesse der Patientensicherheit und im Einklang mit geltendem Recht.
Das Timing hätte allerdings kaum schlechter sein können: Das Unternehmen verkündete die Kehrtwende, kurz bevor man sich mit einem teuren Super-Bowl-Werbespot das Rampenlicht sichern wollte. In dem Spot ging es unter anderem auch um Medikamente zur Gewichtsreduktion. Statt dessen sorgte die Firma mit einem zweistelligen Kursabsturz für Aufsehen.
Der Rückzug der Billigkopie zeigt unterdessen, dass Novo Nordisk gewillt ist, seine Marktposition im lukrativen Segment der Medikamente zur Adipositas- und Diabetes-Therapie juristisch und regulatorisch zu verteidigen.
An der grundsätzlichen Problematik rund um die Pharma-Aktie ändert das allerdings wenig. Denn erst in der vergangenen Woche hatte das Unternehmen die Börse mit einem schwachen Ausblick geschockt: Für 2026 stellte Novo Nordisk bei konstanten Wechselkursen einen Rückgang von Umsatz und operativem Gewinn um fünf bis 13 Prozent in Aussicht. Starker Wettbewerb und der damit verbundene Preisdruck macht dem Unternehmen das Leben schwer. Die Hoffnung, dass die Wegovy-Pille Abhilfe schafft, hat sich damit nicht erfüllt.
Fazit
Trotz des positiven Signals sind Anleger gut beraten, vorerst an der Seitenlinie zu bleiben.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Novo Nordisk.