Im Übernahmekampf mit der Commerzbank hat Unicredit ein Tauschangebot vorgelegt, das als unattraktiv gilt. Dennoch gehen erstaunlich viele Commerzbank-Aktionäre darauf ein.
Die Unicredit-Offerte läuft seit 5. Mai. Wie aus einer auf der Webseite von Unicredit veröffentlichten Meldung hervorgeht, haben zum Stichtag 26. Mai, 14 Uhr, „Commerzbank-Aktionäre die Annahme des Angebots wirksam erklärt, die 1,06 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte der Commerzbank entsprechen“, wie es wörtlich heißt.
Die Annahmequote von 1,06 Prozent sei zum jetzigen Zeitpunkt überraschend hoch, heißt es dazu in Finanzkreisen. Zum einen mit Blick darauf, dass bei öffentlichen Übernahmeofferten in der Regel der weitaus größere Teil in den letzten ein oder zwei Tagen vor Ende der Annahmefrist eingereicht wird.
Zum anderen auch gemessen an der Umtauschquote von 0,485 Unicredit-Aktien je Commerzbank-Aktie, die als nicht attraktiv gilt, da sie einen deutlichen Abschlag zum aktuellen Commerzbank-Kurs enthält. Die Annahmefrist für die Offerte endet am 16. Juni.
Die italienische Bank hält über direkte Beteiligungen und Derivate bereits knapp 30 Prozent an der Commerzbank. Mit dem Tauschangebot soll die 30-Prozent-Schwelle überschritten werden, ohne nach eigener Darstellung sofort die volle Kontrolle anzustreben. Deshalb strebt Unicredit auch keine hohe Annahmequote an.
Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank empfehlen ihren Aktionären ausdrücklich, das Angebot nicht anzunehmen. Die Bank argumentiert, dass das Angebot keine angemessene Prämie enthalte und UniCredit keinen überzeugenden Integrationsplan vorgelegt habe. Die eigenständige Commerzbank-Strategie „Momentum 2030“ schaffe mehr Wert.
Fazit
Unicredit will seine Beteiligung an der Commerzbank nicht über die Tauschofferte erhöhen, sondern über Finanzinstrumente (Swaps), über die sie sich bereits Zugriff auf weitere elf Prozent des Commerzbank-Kapitals gesichert haben. Damit wird die italienische Bank wohl beginnen, nachdem das offizielle Gebot ausgelaufen ist.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.