Unicredit will am 8. Juli das Ergebnis ihrer verlängerten Tauschofferte für die Commerzbank vermelden. Spekulationen über eine Kürzung der Commerzbank-Dividende bis hin zum Totalausfall machen die Runde.
Die italienische Großbank Unicredit will an diesem Mittwoch das Ergebnis ihrer Tauschofferte für die Commerzbank-Aktionäre bekanntgeben. Finanzkreisen zufolge kontrollieren die Italiener nach Ablauf der Übernahmefrist am 3. Juli 42 bis 45 Prozent der Commerzbank-Anteile. Damit hätte Unicredit faktisch eine Hauptversammlungs-Mehrheit und übe die Kontrolle über die Commerzbank aus.
Die Mailänder Bank könnte damit praktisch die Hälfte des Commerzbank-Aufsichtsrats stellen einschließlich des Vorsitzenden. Außerdem könnte sie den Vorstand austauschen. Falls Sie ihre „Unlocked-Strategie“ tatsächlich durchzieht, könnten zudem mögliche Restrukturierungskosten, Sanierungsaufwendungen und IT-Investitionen anfallen, die künftig zu einer Kürzung der Dividende der Commerzbank führen könnten.
Für Aufsehen hatten Spekulationen im Nachgang einer Investorenkonferenz in London gesorgt, wonach Unicredit-Chef Andrea Orcel künftig sogar die komplette Streichung der Dividende in Erwägung ziehen soll. Laut „Börsenzeitung“ habe ein Unicredit-Sprecher dazu erklärt, Commerzbank-Aktionäre müssten wegen Restrukturierungskosten, IT-Investitionen und Sanierungsmaßnahmen künftig voraussichtlich mit einer „deutlich niedrigeren Dividende“ rechnen.
Derweil schreitet Unicredit bei der Commerzbank-Übernahme weiter voran. Laut Bankenexperte Filippo Alloatti vom Vermögensverwalter Federated Hermes ist das langfristige Ziel von Unicredit die Verschmelzung der Commerzbank mit der HypoVereinsbank. "Auf diese Weise ließe sich unter anderem das überschüssige Kapital der HypoVereinsbank freisetzen, das derzeit gebunden ist. Diese Strategie umfasst auch ein Delisting der Commerzbank."
Nach Ablauf der Übernahmeofferte könnte Unicredit-Chef Orcel eine einvernehmliche Lösung mit dem Bund als weiterem Großaktionär der Frankfurter Bank suchen. Dabei könnte es auch noch zu einer Aufstockung des Gebots kommen. Auch die EZB und die Kartellbehörden müssen die Übernahme noch genehmigen, was bis zu einem halben Jahr dauern kann, aber als eher unproblematisch gilt.
Fazit
Die Commerzbank zahlt für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 eine Rekord-Dividende von 1,10 Euro. Nachträglich kann Unicredit diese bereits von der Commerzbank-HV beschlossene Zahlung nicht kürzen oder stornieren. Mit ihrer HV-Mehrheit kann die italienische Bank jedoch über ihren Einfluss auf Vorstand und Aufsichtsrat die künftige Dividendenpolitik mitbestimmen und auch niedrigere Dividenden durchsetzen. Angesichts höherer Integrationskosten ist deshalb eine künftig niedrigere Ausschüttung an die Commerzbank-Aktionäre ein realistisches Szenario.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.