Noch bis 16.6. läuft die Offerte von Unicredit für die Commerzbank. Was nach Ablauf der Annahmefrist passiert, ob die Commerzbank-Aktie noch Potential hat, und warum Unicredit plötzlich mit dem Austausch der Commerzbank-Führung droht.
Noch bis Dienstag, 16.6. läuft das freiwillige Übernahmeangebot der italienischen Unicredit für die Commerzbank. Die Italiener bieten für jede Commerzbank-Aktie 0,485 eigene Anteile. Die Offerte liegt unter dem aktuellen Commerzbank-Kurs. Dennoch berichtet Unicredit von reger Inanspruchnahme der Offerte, obwohl das Angebot wirtschaftlich nicht attraktiv ist. "Uns wurden bis 15. Juni 11,9 Prozent der Anteile angedient", teilte Unicredit dazu am Montag mit.
Die hohe Umwandlungsquote kommt nach Einschätzung von Finanzkreisen dadurch zustande, dass mit Unicredit verbundene Banken Aktien angedient haben. So oder so hat Unicredit seinen direkten Commerzbank-Anteil inzwischen bereits auf rund 38 Prozent ausgebaut. Unter Einbeziehung von Derivate-Positionen liegt der Anteil noch deutlich höher. Das Ziel der Offerte, die 30-Prozent-Schwelle zu überschreiten, ist also bereits erreicht worden.
Die reguläre Annahmefrist für die Unicredit-Offerte endet am 16.6. Eine mögliche Verlängerung könnte bis zum 3.7. laufen. Unicredit hat sich dazu noch nicht offiziell geäußert. Die Bank hat aber auch keinen Anreiz, die Offerte noch zu erhöhen. Andere Commerzbank-Aktionäre wiederum werden ihre Anteile nicht unter Wert verkaufen.
Am Montag geriet der Aktienkurs der Commerzbank unter Druck. Medienberichten zufolge hat Unicredit erstmals indirekt damit gedroht, Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank auszutauschen. „Sollte Unicredit auf der Hauptversammlung ausreichende Unterstützung durch Aktionäre erlangen, wäre sie in der Lage, sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands zuständig wäre“, erklärte das Mailänder Geldhaus. Dies würde die eigene Strategie unterstützen.
Auf der "Euro Finance Summit" in Frankfurt hat sich Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp am Montag irritiert über diese Meldungen gezeigt. Die Aussagen von Unicredit stifteten in einem laufenden Verfahren Unruhe und würden Fragen nach der Verlässlichkeit von Unicredit aufwerfen, sagte Orlopp. „Es ist nicht ideal, bei einem systemrelevanten Institut anzukündigen, das Managementteam auszutauschen, um die eigene Stand-alone-Strategie umzusetzen“, sagte Orlopp. Die Commerzbank-Aktie lag am Montag rund 1,5 Prozent im Minus, während die Deutsche Bank und andere Bankaktien wegen aufkommender Friedenshoffnungen kräftig zulegen konnten.
Fazit
Unabhängig davon trauen Analysten der Commerzbank-Aktie weiteres Aufwärtspotenzial zu, allein schon durch die Umsetzung der eigenen Strategie nach den soliden Quartalszahlen. Barclays und Deutsche Bank nennen derzeit ein Kursziel von 42 Euro (plus 12,5 Prozent zum aktuellen Kurs), RBC von 43 Euro (plus 15 Prozent), und Kepler von 45 Euro (plus 21 Prozent).
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.