Am Donnerstag kommender Woche (6. August) legt die Commerzbank Zahlen vor und führt Investorengespräche. Sie könnten den Auftakt geben für die finalen Übernahmeverhandlungen mit Unicredit.
Die italienische Großbank Unicredit sieht sich bei der Übernahme der Commerzbank auf der Zielgeraden und strebt eine zeitnahe Kontrolle des Frankfurter Instituts an. Aus der Commerzbank gibt es erste Signale, dass die neuen Machtverhältnisse akzeptiert werden könnten. „Die Mehrheitsverhältnisse auf der nächsten Hauptversammlung sind klar“, sagte Aufsichtsratschef Jens Weidmann dem „Handelsblatt“. Er forderte Unicredit zu „konstruktiven Gesprächen“ auf.
Unicedit-Chef Andrea Orcel hatte zuvor zwar Gesprächsbereitschaft signalisiert, davon allerdings den aktuellen Commerzbank-Vorstand um CEO Bettina Orlopp ausdrücklich ausgenommen. Es sei sinnvoll, mit dem Bund als weiterem Eigentümer und dem Betriebsrat zu einer Einigung zu kommen, sagte Orcel. Ein Affront für die Commerzbank-Führung.
Bei der Vorlage der Quartalszahlen erklärte der Unicredit-Chef außerdem, die Regulierungsbehörden könnten das inzwischen abgelaufene Übernahmeangebot bereits im vierten Quartal genehmigen. Bis dahin sei die Frankfurter Bank in einem „Schwebezustand“. Unicredit kontrolliert einschließlich der angedienten Aktien 44,37 Prozent des Commerzbank-Kapitals und weitere 3,22 Prozent über Finanzinstrumente. Der Stimmrechtsanteil liegt demnach bei insgesamt 49,65 Prozent.
Orcel ergänzte, er habe keine Eile, die Commerzbank mit der deutschen Unicredit-Tochter HVB zu fusionieren. Zunächst solle das Frankfurter Institut zwei bis drei Jahre „auf Linie“ gebracht werden, wofür Investitionen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro nötig seien. Dies werde zunächst den Gewinn und damit auch die Dividende drücken. Um sein Strategiepläne durchzusetzen, droht Unicredit-Chef Orcel damit, notfalls auch eine außerordentliche Hauptversammlung einzuberufen, um die Kontrolle durchzusetzen.
Fazit
Unicredit hat mit den am vergangenen Donnerstag vorgelegten Quartalszahlen die Erwartungen übertroffen und die Gewinnziele hochgeschraubt. Die Aktie reagierte dennoch mit vorübergehenden Kursverlusten von sechs Prozent – wohl auch, weil die Commerzbank-Übernahme den Gewinn zunächst belastet. Die Unicredit-Aktie bleibt weiter aussichtsreich. Auch für die Commerzbank-Aktie sehen Analysten derzeit zehn bis 15 Prozent Kurspotenzial.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.