Bund gibt offenbar Widerstand auf. Treffen zwischen Bundesfinanzminister und Unicredit-Chef im September angekündigt. Orcel: "Freue mich."
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat Unicredit-Chef Andrea Orcel für den 14. September zu einem persönlichen Gespräch und Meinungsaustausch nach Berlin eingeladen. Entsprechende Medienberichte hat Unicredit inzwischen bestätigt. Das Treffen soll parallel zu Gesprächen zwischen dem Unicredit- und dem Commerzbank-Management stattfinden. Klingbeil wolle Orcel die Position Deutschlands erklären, hieß es. Orcel habe die Einladung umgehend angenommen und freue sich, "dass der Minister zu einem Treffen und einem Austausch bereit ist, um die nächsten Schritte im Interesse aller Stakeholder zu diskutieren".
Von Seiten des Finanzministeriums hieß es, der persönliche Austausch "begleitet die Gespräche der beiden Banken, denen es weiterhin obliegt, in direkten Beratungen über den weiteren Weg zu sprechen". Das Treffen zeigt wohl, dass die Bundesregierung ihre Meinung zur Commerzbank-Übernahme geändert hat. Der Bund lehnt die Übernahme nicht mehr kategorisch ab, sondern will Einfluss auf das Ergebnis nehmen.
Unicredit hält mittlerweile knapp 50 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank, der Bund hat einen Anteil von rund 13 Prozent. Die deutsche Regierung sei auch bereit, den Bund-Anteil zu verkaufen, sofern Orcel mit dem derzeitigen Management unter Vorstandschefin Bettina Orlopp eine Einigung über die Strategie des deutschen Kreditinstituts erzielen kann, hieß es in Medienberichten.
Orcel verfolgt die Übernahme der Commerzbank seit zwei Jahren. Die zuvor scharfe Kritik Berlins an dem Vorhaben und an der Art und Weise, wie er es durchzusetzen versucht, stellte für ihn lange Zeit eines der größten Hindernisse bei der Transaktion dar.
Fazit
Ein direktes Gespräch zwischen Orcel und Klingbeil könnte den Weg für eine einvernehmliche Lösung öffnen. Der deutsche Finanzminister dürfte bei dem Treffen vor allem die Rolle der Commerzbank bei der Finanzierung vor allem der mittelständischen deutschen Unternehmen betonen, ebenso die Rolle Frankfurts als Finanzzentrum. Auch könnte es direkte Gespräche zwischen Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp ermöglichen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.