Die Bankenaufseher der EZB winken die Übernahme durch Unicredit wohl bald durch – doch gleichzeitig warnen sie vor „gravierenden Risiken“. Könnte das Projekt am Ende doch noch scheitern?

Die italienische Großbank Unicredit hat sich knapp 50 Prozent der Anteile an der Commerzbank gesichert. Für die geplante Übernahme der zweitgrößten deutschen Bank ist allerdings noch die Zustimmung der Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) nötig, nachdem die deutsche Finanzaufsicht Bafin den Deal bereits durchgewinkt haben soll.

Laut Nachrichtenagentur Reuters wird wohl auch die EZB bald grünes Licht geben. Dies gehe aus einem internen Dokument hervor. Darin kämen die Bankenaufseher zur vorläufigen Einschätzung, dass es „keinen Grund zur Ablehnung der Kontrollübernahme der italienischen Bank bei der Commerzbank gibt“.

Damit könnte Unicredit möglicherweise bereits im Oktober die Übernahme abschließen. Dem Bericht zufolge warnt die EZB allerdings auch vor einem „langwierigen und herausfordernden Integrationsprozess“. Ist die geplante Transaktion möglicherweise zu groß, oder zu komplex? 

Das als vertraulich eingestufte Dokument sei jedenfalls bereits im Juni im Aufsichtsgremium der EZB kontrovers diskutiert worden. Seit Anfang 2024 ist die Deutsche Ökonomin Claudia Buch Vorsitzende des Aufsichtsgremiums. Die EZB hatte zuvor mehrfach betont, dass sie grenzüberschreitende Zusammenschlüsse grundsätzlich befürwortet, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Banken zu stärken. Die Freigabe durch die Aufsichtsbehörden ist eine wichtige Voraussetzung für die endgültige Umsetzung der Übernahme. Dem Bericht zufolge ist die finale Prüfung durch die EZB für September oder Oktober geplant.

Aus dem EZB-Dokument soll außerdem hervorgehen, dass die deutsche Finanzaufsicht Bafin deutliche Kritik am Vorgehen von Unicredit geäußert habe. So hätten die deutschen Aufseher das „aggressive und teilweise intransparente Verhalten“ während des monatelangen Tauziehens um die Übernahme kritisiert. Das als feindlich eingestufte Vorgehen der italienischen Bank habe das Management, die Belegschaft und die Politik verunsichert. Unicredit müsse dem nun mit einer „glaubwürdigen Strategie“ entgegenwirken.

Der EZB zufolge seien diese Einwendungen der Bafin stichhaltig. Sie rechtfertigten aber nicht, die Transaktion zu untersagen. Als problematisch stufen die Aufseher der Notenbank allerdings die Größe und Komplexität der Transaktion ein. Hinzu kämen kulturelle Unterschiede zwischen beiden Banken, von den Spannungen infolge des feindlichen Vorgehens von Unicredit ganz zu Schweigen. Daraus ergäben sich „wesentliche Umsetzungsrisiken“, warnt die EZB.

Unicredit-Chef Andrea Orcel rechnete kürzlich mit einer raschen Kontrollübernahme bei der Commerzbank. Das Commerzbank-Management wiederum hat inzwischen seinen Widerstand gegen die Unicredit-­Pläne aufgegeben. Commerzbank-­Chefin Bettina Orlopp zeigte sich „zuversichtlich, dass sinnvolle Lösungen für alle Beteiligten gefunden werden“. Die Bank hatte erst vergangene Woche einen überraschend kräftigen Gewinnsprung im zweiten Quartal präsentiert.

Fazit

Unicredit könnte die regulatorischen Freigaben spätestens bis zum vierten Quartal erhalten. Der Zusammenschluss ist sinnvoll, auch wenn die Umsetzung kein Spaziergang wird. Orcel will mit der Transaktion eine europäische Großbank schmieden, auch als Gegengewicht zu den deutlich profitableren Geldhäusern aus den USA.



Commerzbank (WKN: CBK100)

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