Die EZB zieht die Zinszügel an. Vor allem Banken gelten als Profiteure höherer Notenbankzinsen. An erster Stelle unter Europas Zinsprofiteuren steht die Commerzbank. Welche Institute noch zu Europas Top 7 gehören.
Die EZB zieht die geldpolitischen Zügel an. Angesichts hartnäckiger Inflation hat sie vergangene Woche nicht nur den Einlagensatz von 2,25 auf 2,5 Prozent erhöht, sondern auch die Bereitschaft für weitere Zinserhöhungen signalisiert.
Banken gelten als mögliche Profiteure höhere Leitzinsen, insbesondere wegen steigender Zinserträge. Doch der Effekt hängt stark vom jeweiligen Geschäftsmodell ab.
Die Commerzbank-Aktie hat in den vergangenen Tagen ihren Rekordlauf fortgesetzt und am Mittwoch mit einem Anstieg von zwei Prozent auf 43,37 Euro ein Niveau markiert, das sie zuletzt 2010 erreicht hatte.
Analysten rechnen als Folge der gestiegenen EZB-Zinsen mit höheren Zinserträgen. Die Commerzbank hat einen hohen Anteil deutscher Einlagen- und Firmenkunden, und auch das Management hat höhere EZB-Zinsen ausdrücklich als Treiber für den Nettozinsertrag bezeichnet. Sie gilt damit unter Europas großen Geldhäusern als stärkster Profiteur höherer Notenbankzinsen.
Zu weiteren Top-Zinsprofiteuren in Europa zählen insbesondere:
Platz 2: Caixabank (Spanien) mit großem Endkunden- und Hypothekenbestand
Platz 3: Santander (Spanien) mit positiver Zinssensitivität im europäischen Geschäft
Platz 4: BBVA (Spanien) mit starkem Kreditgeschäft in Spanien
Platz 5: Unicredit (Italien) mit umfangreicher italienischer und mitteleuropäischer Einlagen- und Kreditbasis
Platz 6: Intesa Sanpaolo (Italien) sehr hoher absoluter Betrag der Nettozinserträge, allerdings diversifiziertes Geschäftsmodell
Platz 7: ABN Amro (Niederlande) ebenfalls starkes Retailgeschäft im Heimatland
Allerdings gibt es bei der Zinssensitivität auch Einschränkungen. So können höhere Zinsen laut Europäischer Bankenaufsicht EBA auch negativ wirken, etwa durch höhere Einlagen- und Refinanzierungskosten, fallende Anleihekurse, schwächere Kreditnachfrage und später steigende Kreditausfälle. Einen Automatismus gibt es also nicht.
Fazit
Die Commerzbank zählt neben Caixabank, Santander und BBVA zu den besonders zinssensitiven börsennotierten Großbanken in Europa. Unicredit, Intesa Sanpaolo und ABN Amro verfügen auch über kräftige Zinshebel, sind aber breiter aufgestellt. Bei der Commerzbank könnten zudem die laufenden Turbulenzen um die Übernahme durch Unicredit den Aktienkurs zusätzlich bewegen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.