Am 14. September findet in Berlin das erste Treffen zwischen Unicredit-Chef Andrea Orcel und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil statt. Plötzlich ranken sich um den verbliebenen Anteil des Bundes an der Commerzbank neue Spekulationen.

Der Bund ist noch immer mit rund zwölf Prozent an der Commerzbank beteiligt, die von der italienischen Großbank Unicredit übernommen wird. Das Mailänder Geldhaus hat sich knapp 50 Prozent gesichert und wartet noch auf die aufsichtsrechtliche Genehmigung, die im Herbst erwartet wird.

Klingbeil hatte Orcel für den 14. September zu einem Gespräch nach Berlin eingeladen, um ihm die Position der Bundesregierung zu erklären. Wichtig sei Klingbeil die stabile Finanzierung des deutschen Mittelstandes und des Finanzplatzes Frankfurt. Die konkrete Ausgestaltung der Übernahme obliege jedoch den beiden Geldhäusern, hieß es im Vorfeld.

Zur Frage, was mit der deutschen Staatsbeteiligung nach der Kontrollübernahme durch die Italiener passiert, hatte sich die Bundesregierung bislang nicht geäußert. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte sich kürzlich für einen vorübergehenden Verbleib des Bundes ausgesprochen, „um die Interessen des Standorts Deutschland zu vertreten“. Perspektivisch solle sich der Bund aber zurückziehen, weil es sich bei der Beteiligung um eine Rettungsmaßnahme gehandelt habe.

Überraschenderweise hat sich auch Unicredit-Chef Orcel für einen vorübergehenden Verbleib des deutschen Staates bei der Commerzbank ausgesprochen. „Wenn wir uns grundsätzlich einig sind, wäre die Bundesregierung als Partner positiv zu beurteilen“, sagte Orcel in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“. „Ein staatlicher Anteilseigner verleiht nicht nur der Commerzbank, sondern auch unserer ganzen Gruppe zusätzliche Stabilität.“

Fazit

Für Unicredit-Chef Orcel wäre es auch finanziell nicht attraktiv, den Bundes-Anteil der Commerzbank zu übernehmen, der aktuell rund sechs Milliarden Euro Börsenwert hat, plus Paketaufschlag. Nach Einschätzung von Analysten würde ein solcher Brocken die Kapitalquote von Unicredit signifikant belasten.    

Commerzbank (WKN: CBK100)

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.