Der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne sieht die Aufstockung seines Anteils bei der Lufthansa von 15 auf 20 Prozent nur als Zwischenschritt, um „strategische Ziele“ zu erreichen.
Lufthansa-Großaktionär Klaus-Michael Kühne will seinen Einfluss auf die Lufthansa deutlich ausweiten. Die Kühne Holding schloss am Wochenende eine weitere Anteilsaufstockung nicht aus, um „strategische Ziele“ zu erreichen. Kühne hatte bereits Anfang vergangener Woche seine Lufthansa-Beteiligung laut einer Stimmrechtsmitteilung von 15 auf 20 Prozent erhöht. Damit hat er seine Position als größter Einzelaktionär weiter gestärkt.
„Wir beobachten die Marktentwicklungen und die operative Entwicklung der Lufthansa weiterhin aufmerksam und schließen den Erwerb weiterer Aktien innerhalb der nächsten zwölf Monate nicht aus", sagte Kühne-Verwaltungsratspräsident Karl Gernandt der „Neuen Zürcher Zeitung". Die Beteiligung an der größten deutschen Airline diene der „Umsetzung der strategischen Ziele der Kühne Holding AG."
Kühne könnte damit zum einen mehr Einfluss auf die Strategie ausüben: Der Unternehmer kritisiert die Lufthansa seit Jahren öffentlich: zu komplexe Strukturen, zu viele Marken, zu schwache Profitabilität der Kern-Airline und zu hohe Kosten. Er drängt auf einen stärkeren Fokus auf Effizienz und Rendite. Branchenbeobachter vermuten darüber hinaus, dass ihn besonders Lufthansa Cargo interessieren könnte. Das passt zu seinem Hintergrund als Großaktionär von Kuehne+Nagel und Hapag-Lloyd. Cargo ist einer der profitabelsten Bereiche der Lufthansa. Schließlich könnte er auch seinen Einfluss im Aufsichtsrat ausweiten, um Vorstandsbesetzungen zu beeinflussen oder Restrukturierungen voranzutreiben. Unter dem Strich könnte Lufthansa für Kühne Teil eines größeren europäischen Logistik- und Transportnetzwerks werden, das er derzeit aufbauen will.
Fazit
An der Börse lag die Lufthansa-Aktie zu Wochenbeginn in einem negativen Gesamtmarkt bis zu zwei Prozent im Minus. Lufthansa hatte zuletzt solide Quartalszahlen über den Markterwartungen vorgelegt und die Jahresziele bestätigt. Angesichts steigender Kerosinpreise wuchs aber die Skepsis bei Analysten und im Markt, ob diese Ziele wirklich erreicht werden können. Barclays stufte die Aktie zuletzt von Halten auf Verkaufen herunter und senkte das Kursziel von 8,00 auf 7,50 Euro. Die guten Zahlen im ersten Quartal seien nur möglich gewesen, weil höhere Treibstoffkosten erst verzögert wirkten, während der Krieg im März schon Sondergewinne durch höhere Ticketpreise eingebracht habe. Sollte der Krieg weitergehen, dürfte dies Verbrauchervertrauen kosten und das Geschäftsklima eintrüben, erklärte Barclays.