Die Nachfrist für die unattraktive Unicredit-Offerte läuft. Wird es ein höheres Angebot für Kleinaktionäre geben? Commerzbank-Chefin Orlopp soll einen „prozentual zweistelligen Aufschlag“ auf den Commerzbank-Kurs zur Bedingung für ein Zusammengehen gemacht haben.

Unicredit hat sich mit seiner Tauschofferte für die Commerzbank-Aktionäre insgesamt 39,3 Prozent der Commerzbank-Anteile gesichert – einschließlich der bereits bestehenden Beteiligung von 26,8 Prozent. Hinzu kommen über Derivate weitere 3,2 Prozent. Die Nachfrist für die Offerte läuft noch bis zum 3. Juli.

Doch Übernahmespezialisten raten davon ab, „nachzutendern“, also diese Tausch-Offerte in Unicredit-Anteile anzunehmen. Zu hoch sei das Risiko von Verlusten in den kommenden Monaten, ausgelöst beispielsweise durch eine allgemeine Korrektur an den Aktienmärkten und dem Tauschverhältnis mit Unicredit-Aktien.

Sinnvoller sei es, die Aktien zu behalten und auf eine höhere Offerte zu setzen. Dahinter steckt die Überlegung, dass Unicredit das langfristige Ziel verfolge, die Commerzbank komplett zu übernehmen, also einen Stimmrechtsanteil von 75 Prozent zu erreichen und mit einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag durchzugreifen.

Hinzu kommen Spekulationen, dass es abseits des öffentlichen Schlagabtauschs zwischen der Unicredit- und Commerzbank-Führung im Hintergrund durchaus informelle Kontakte auf oberster Ebene gebe – sowohl zwischen Unicredit-Chef Andra Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp als auch zwischen der Bundesregierung und der italienischen Regierung, die derzeit auch bei der Konsolidierung des italienischen Bankensektors ihren Einfluss geltend macht.

Fazit

Die Quintessenz dieser Annahmen ist, dass es mit Blick auf eine einvernehmliche Lösung eine „angemessene“ Übernahmeprämie für die Kleinaktionäre geben müsse. Die Vorstellung der Commerzbank-Führung soll dabei in Richtung eines „prozentual zweistelligen Aufschlags“ auf den aktuellen Commerzbank-Kurs gehen, heißt es in Finanzkreisen. Allerdings muss die Commerzbank-Führung da noch Überzeugungsarbeit bei Unicredit-Chef Orcel leisten. Denn der war bis zuletzt der Ansicht, dass der aktuelle Commerzbank-Kurs eine signifikante Übernahmeprämie bereits enthält.



Commerzbank (WKN: CBK100)

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.