Tschechischer Rüstungskonzern Czechoslovak Group (CSG) erhöht Engagement bei Spezialchemiekonzern Alzchem auf knapp 25 Prozent. Alzchem: "CSG hat uns Rolle als langfristig orientierter Investor bestätigt"
Der tschechische Großaktionär CSG hat in den vergangenen Tagen sein Engagement bei Alzchem ausgeweitet. Laut CSG-Mitteilung von Montag hat CSG seine Beteiligung in Form von Derivaten (Total Return Swaps) von 9,9 Prozent auf 15 Prozent ausgebaut. Direkt in Form von Aktien hält CSG weiterhin 9,9 Prozent an der deutschen Chemiefirma aus dem oberbayerischen Trostberg im Landkreis Traunstein. Damit liegt die direkte und indirekte Beteiligung mittlerweile bei knapp 25 Prozent.
Eine Alzchem-Sprecherin erklärte dazu gegenüber €uro am Sonntag: "CSG hat uns gegenüber ihre Rolle als langfristig orientierter Investor bestätigt." Alzchem stehe darüber hinaus in regelmäßigem Austausch mit ihren Aktionären und pflege einen offenen Dialog mit ihrem gesamten Aktionariat. Dies gelte auch für die CSG. Bei den Finanzinstrumenten, die 15 Prozent repräsentierten, handle es sich um Total Return Swaps, die keine Stimmrechte beinhalteten. "Wir nehmen die veröffentlichten Beteiligungsmeldungen zur Kenntnis und die Stimmrechtsverhältnisse bei Alzchem haben sich nicht verändert. Die Unternehmensstrategie und operative Ausrichtung bleiben unverändert", erläuterte die Alzchem-Sprecherin.
In Finanzkreisen waren zuvor Parallelen zum Vorgehen von Unicredit bei der Übernahme der Commerzbank gezogen worden. Nicht nur der Einsatz von Finanzderivaten beim Ausbau der Beteiligung sei dafür ein Indiz. CSG nutze auch die Dienste der internationalen Anwaltskanzlei Freshfields, die auch Unicredit juristisch berät. Den Kreisen zufolge strebe CSG den Ausbau der Beteiligung bis zur Schwelle von 30 Prozent an, ab der ein Pflichtangebot an die freien Aktionäre fällig werde.
CSG wolle sich mit der Aufstockung den Zugriff auf Vorprodukte für seine Munitionsproduktion sichern, heißt es. CSG hatte im Juni erklärt, man plane „derzeit“ weder einen Unternehmenszusammenschluss mit Alzchem noch strebe man einen Sitz im Aufsichtsrat an.
Die Alzchem-Sprecherin erläuterte jetzt den aktuellen Aktionärskreis: "Die Alzchem Group verfügt über einen stabilen und breit diversifizierten Aktionärskreis. Wesentliche Aktionäre sind four two na GmbH mit 10,23 % der Stimmrechte, STALUNA TRADE a.s. mit 9,90 % sowie Löw SE mit 6,39 %. Der Streubesitz beträgt 73,48 %. "
Eine Anfrage von Euro am Sonntag an CSG zu den Gründen für die Beteiligungsaufstockung blieb bislang unbeantwortet.
Fazit
Der Alzchem-Aktienkurs hat sich infolge von Rüstungsfantasie in den vergangenen drei Jahren mehr als versiebenfacht. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie noch zwölf Prozent zugelegt. Nach Einschätzung von Jefferies fehlen trotz solider Quartalszahlen derzeit die Kurstreiber. Etwas Übernahmefantasie könnte dem Aktienkurs neuen Schwung geben.