Angesichts einer miserablen Kursentwicklung beim Betreiber von Essenslieferdiensten erhöhen mehrere Großinvestoren offenbar den Druck auf das Management. Selbst ein kompletter Verkauf des Unternehmens wird nicht ausgeschlossen. Bei der Aktie sorgt der Vorstoß für Fantasie, die Aktie zieht an 

Anleger, die sich vor einem Jahr vor eine Liste der 50 Werte im MDAX gesetzt haben, hätten mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Papier gewählt, das besser lief als das von Delivery Hero: Nur vier Werte wiesen über ein Jahr eine schlechtere Kursentwicklung auf. 

Mit Blick auf die Kursmisere scheinen nun auch Großaktionäre die Geduld zu verlieren. Investoren wie der Hedgefonds Aspex Management, zweitgrößter Anteilseigner des MDAX-Mitglieds, fordern strategische Veränderungen, berichtete der Börsendienst Bloomberg und berief sich dabei auf informierte Personen. Demnach drängen sie das Management, Maßnahmen wie die Trennung von Geschäftsbereichen oder gar einen kompletten Verkauf des Unternehmens in Erwägung zu ziehen.  

Mindestens drei weitere institutionelle Investoren sollen darüber hinaus ihre Unzufriedenheit über die unzureichenden Fortschritte des Konzerns bei der Straffung seiner defizitären Geschäftsbereiche und der Wertgenerierung für Aktionäre geäußert haben. Auf Sicht eines Jahres hat sich der Aktienkurs der Berliner nahezu halbiert. 

Verkäufe denkbar

In der Vergangenheit hatte Delivery Hero beispielsweise versucht, sein Foodpanda-Geschäft in Taiwan an Uber zu veräußern, die dortige Wettbewerbsbehörde erteilte jedoch keine Freigabe. Aus Märkten wie Dänemark, Ghana oder Thailand hat sich der Konzern in der jüngeren Vergangenheit bereits zurückgezogen. 

Großinvestoren setzen offenbar auf Veräußerungen, auch von begehrteren Teilen. Einheiten wie die südkoreanische Lieferplattform Baedal Minjok könnten Interesse bei Wettbewerbern wie Meituan oder Uber wecken, wenn sie zum Verkauf gestellt würden, hieß es von den informierten Personen. 

Delivery Hero (WKN: A2E4K4)

Sprung auf tiefem Niveau

Bei der Aktie sorgte der kolportierte Investorendruck für Fantasie, die Aktie klettert vor dem Wochenende rund 13 Prozent und führt damit den MDAX heute an. Erst in der Vorwoche schnupperte das Papier allerdings am Rekordtief. 

Neben operativen Herausforderungen wie weiterhin roten Zahlen belasten auch geplante Verkäufe des Großaktionärs Prosus. Die Beteiligungsgesellschaft, die zuletzt mehr als ein Viertel aller Papiere hielt, hat zugestimmt, die Beteiligung auf unter zehn Prozent zu reduzieren, um von der EU-Kommission die regulatorische Freigabe zur Übernahme der Lieferando-Mutter Just Eat zu erhalten. 

Fazit

Die britische Bank Barclays erachtet Verkäufe von Einheiten zu guten Preisen als sinnvoll, um Wert zu realisieren, die Kapitalstruktur zu verbessern und mehr Mittel für Aktienrückkäufe zu haben. Ob und in welchem Umfang sich Delivery Hero angesichts des Drucks von Investoren dazu entscheidet, muss sich zeigen. Der Blick auf den Aktienkurs impliziert Handlungsbedarf. 

Operativ wächst Delivery Hero bei Umsatz und Warenvolumen, auch durch Quick Commerce (sehr schnelle Lieferung von Produkten wie Haushaltswaren) und konnte seine Nettoverluste im ersten Halbjahr deutlich reduzieren. Analysten erwarten hier für 2027 einen ersten Überschuss. Kurzfristig dürften die Anteilsverkäufe von Prosus bremsend wirken. Von 22 bei Bloomberg gelisteten Analysten raten momentan 13 zum Kauf, das Konsens-Kursziel liegt bei rund 29 Euro.