Ein halbes Jahr nach seinem Antritt ist BP-Chairman Albert Manifold seinen Job schon wieder los. Der britische Ölkonzern hat ihn am Dienstag wegen „schwerwiegender Bedenken“ in Bezug auf die Grundsätze guter Unternehmensführung fristlos entlassen. 

Die Bedenken seien gegenüber dem Verwaltungsrat in Bezug auf wichtige Governance-Standards, Aufsicht und Verhalten geäußert worden, hieß es weiter. Das Gremium habe demzufolge einstimmig entschieden, Manifold mit sofortiger Wirkung zu entlassen. 

„Albert hat dazu beigetragen, der Transformation von BP die nötige Aufmerksamkeit und Dynamik zu verleihen", erläuterte Verwaltungsratsmitglied Amanda Blanc den ungewöhnlichen Vorgang. Die vorgeworfenen Versäumnisse bei der Unternehmensführung und Verhaltensprobleme seien jedoch „inakzeptabel“ und hätten den Verwaltungsrat „überrascht und enttäuscht". Konkretere Angaben zu den Hintergründen für Manifolds Entlassung wurden nicht gemacht.

Manifold hatte seinen Posten erst im Oktober 2025 angetreten. Er wollte BP wieder auf fossile Brennstoffe wie Öl und Gas statt auf erneuerbare Energien ausrichten. Bereits bei der jüngsten Hauptversammlung gab es deutlichen Widerstand von Großinvestoren. Rund 18 Prozent der Aktionäre stimmten gegen seine Wiederwahl. Zuletzt hatte er einen Klimaantrag der Investoreninitiative Follow This blockiert, was ihm massive Kritik und den Vorwurf des Eingriffs in Aktionärsrechte einbrachte. Stimmrechtsberater wie Glass Lewis hatten Manifold deshalb kritisiert. Ob das allerdings mit dem Rauswurf in einem Zusammenhang steht, ist unklar.

Fazit

Der plötzliche Rauswurf stürzt den Ölkonzern noch tiefer in eine Führungskrise - auch wenn Ian Tyler mit sofortiger Wirkung als Interimsvorsitzender eingesprungen ist. Die Suche nach einem Nachfolger läuft. Die BP-Aktie verlor am Dienstag zeitweise bis zu neun Prozent. 

BP (WKN: 850517)