Mitten im Börsengewitter gelingt es Delivery Hero, das Taiwan-Geschäft zu verkaufen. Der foodpanda-Bereich geht für 600 Millionen Dollar an Grab. Über die Bühne gehen soll der Deal in der zweiten Jahreshälfte. Die Börse reagiert erfreut, das in der Vorwoche erreichte Rekordtief der MDAX-Aktie ist passé. Analysten sehen erhebliches Kurspotenzial.
Das Geld, das Delivery Hero aus der Cash-Transaktion mit dem Tech-Konzern aus Singapur zufließt, soll vor allem zum Schuldenabbau und für „allgemeine Unternehmenszwecke“ genutzt werden. Das Signal, die Kapitalstruktur zu verbessern, kommt am Markt gut an.
Derzeit unterzieht das Management um CEO und Mitgründer Niklas Östberg den Berliner Plattform-Anbieter für Essenslieferungen und teilweise auch Lieferung von Lebensmitteln und Haushaltsbedarf einer strategischen Prüfung.
Aktionäre hatten zuletzt massiv darauf gedrängt, durch gezielte Verkäufe stille Werte zu heben. Mitte März hatte etwa der Großaktionär Aspex aus Hongkong Delivery Hero aufgefordert, die laufende strategische Überprüfung zu beschleunigen und sich von Randbereichen zu trennen. Falls das nicht geschehe, drohte die Vermögensverwaltung dem Vorstand mit Konsequenzen.
Der Verkauf des Taiwan-Geschäfts ist nun der erste greifbare Erfolg dieses Prozesses, auch wenn der erzielte Preis deutlich unter den 950 Millionen Dollar liegt, die Uber Eats vor etwa zwei Jahren zahlen wollte, bevor Taiwans Kartellbehörden den Deal blockierten.
Im vergangenen Jahr erzielte foodpanda Taiwan laut Unternehmensangaben einen Bruttowarenwert von 1,5 Milliarden Euro. Das Geschäft war dabei aus eigener Kraft profitabel, vor Einrechnung anteiliger Kosten des Mutterkonzerns.
Konzernchef Östberg zeigte sich derweil zufrieden: Der Cash-Deal spiegele die Stärke und Attraktivität des Geschäfts in Taiwan wider, so der Firmenlenker. „Diese Veräußerung ist ein wichtiger erster Schritt in unserer laufenden strategischen Prüfung“, so Östberg weiter.
Die Börse honorierte den Schritt umgehend. Während der Gesamtmarkt am Vormittag wegen der Eskalation des Iran-Konflikts deutlich unter Druck steht, kletterte die Delivery-Hero-Aktie am Montagmorgen zwischenzeitlich um rund drei Prozent und näherte sich wieder der 16-Euro-Marke. Ende der Vorwoche hatte das Papier bei 14,80 Euro ein Rekordtief markiert.
Rückenwind kam auch von der Analystenseite. JPMorgan etwa stuft den MDAX-Titel weiterhin mit „Overweight" ein. Die Experten sehen im erzielten Kaufpreis sogar Potenzial, das Kursziel von aktuell 28 Euro nochmals um zwei Euro anzuheben - damit bescheinigt das Analysehaus dem Titel also mindestens 80 Prozent Potenzial.
Der Erlös übertreffe die Erwartungen des Marktes spürbar, hieß es.
Volatil dürfte die Delivery-Hero unterdessen weiterhin bleiben: Die US-Bank verwies unter anderem auf regulatorische Risiken. Zudem muss die Internet-Holding Prosus aus kartellrechtlichen Gründen ihre 27-Prozent-Beteiligung an Delivery Hero bis August auf unter zehn Prozent reduzieren, um nicht mehr der größte Aktionär der Berliner zu sein.
Prosus hatte sich im vergangenen Jahr gegenüber der EU-Kommission dazu verpflichtet, um den niederländischen Wettbewerber Just Eat übernehmen zu dürfen.
Die britische Investmentbank Barclays sieht unterdessen den Taiwan-Verkauf als positives Signal und hält an ihrer Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 36,90 Euro fest. Ausgehend vom derzeitigen Kursniveau entspricht das 135 Prozent Potenzial. Durch den Deal steige der Wert der Einzelteile des Konzerns, gleichzeitig werde die Bilanz gestärkt, hieß es.
Fazit
Mehr als ein Hoffnungsschimmer ist der Taiwan-Deal erst einmal nicht. Auch das Kursbild liefert noch kein Einstiegssignal. In den kommenden Tagen dürfte vor allem der Geschäftsbericht 2025 im Mittelpunkt stehen, der am 26. März erscheint.
Enthält Material von dpa-AFX