Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk hat Anleger mit einem herben Rückschlag bei seinem Hoffnungsmittel Cagrisema verschreckt. In der Phase-3-Studie REDEFINE 4 verfehlte das Präparat das wichtigste Studienziel: Es konnte nicht belegen, dass es beim Abnehmen genauso wirksam ist wie Zepbound des US-Rivalen Eli Lilly. Die Novo-Nordisk-Aktie brach daraufhin zweistellig auf ein neues Mehrjahrestief ein.
Cagrisema ist eine Kombination aus dem Amylin-Analogon Cagrilintid und dem GLP-1-Wirkstoff Semaglutid, dem Wirkstoff in den Blockbustern Ozempic und Wegovy. In der 84-wöchigen Studie sollte Cagrisema zeigen, dass es dem Tirzepatid-Präparat von Eli Lilly, bekannt unter den Markennamen Mounjaro und Zepbound , in puncto Gewichtsverlust ebenbürtig ist.
Das gelang nicht. Teilnehmer mit Cagrisema verloren im Schnitt 23,0 Prozent ihres Körpergewichts, während Tirzepatid-Patienten 25,5 Prozent abnahmen. Berücksichtigt man nur jene, die die Behandlung vollständig durchhielten, fällt der Unterschied noch größer aus: 20,2 Prozent bei Cagrisema gegenüber 23,6 Prozent bei Tirzepatid.
Forschungsvorstand Martin Holst Lange versuchte dennoch, die Ergebnisse positiv zu sehen: "Wir sind erfreut über den Gewichtsverlust von 23 Prozent. Cagrisema hat das Potenzial, das erste GLP-1/Amylin-Kombinationsprodukt auf dem Markt zu werden." Das Mittel sei gut verträglich gewesen. Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Verdauungsbeschwerden seien meist mild ausgefallen und hätten sich mit der Zeit gelegt.
Die Zulassung für den US-Markt hat Novo Nordisk bereits im Dezember 2025 beantragt. Eine Entscheidung wird Ende 2026 erwartet. Parallel laufen Pläne für Studien mit höheren Cagrisema-Dosierungen, deren Ergebnisse für die erste Jahreshälfte 2027 angekündigt sind.
Fazit
Im boomenden Markt für Adipositas- und Diabetes-Medikamente verliert Novo Nordisk zunehmend Boden gegenüber Eli Lilly. Nicht nur auf dem heimischen Adipositas-Markt haben die Amerikaner inzwischen die Dänen überholt: Tirzepatid war 2025 das meistverkaufte Medikament weltweit. Starker Preisdruck in den USA sowie ein auslaufender Patentschutz für Wegovy und Ozempic in einzelnen Märkten machen Novo Nordisk zusätzlich das Leben schwer. Mit dem jüngsten Kurssturz hat die Aktie wichtige Unterstützungsmarken durchbrochen. Derweil ist des einen Leid des anderen Freud: Die Aktie von Eli Lilly konnte vorbörslich fast vier Prozent zulegen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Novo Nordisk.